"Wir gehen aber davon aus, dass ihre Zahl weiter wächst." Dazu trügen ein falsches Konsumverhalten, die Aufnahme hoher Kredite oder auch Arbeitslosigkeit bei. Nach der jüngsten Erhebung von 1998 war landesweit jeder dritte Haushalt ver- oder überschuldet.
Die Aufstellung einer genauen Statistik sei angesichts fehlender Angaben nicht möglich, erläuterte Müller, die auch der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldner- und Insolvenzberatung angehört. "Bei allen kursierenden Zahlen handelt es sich nur um grobe Schätzungen." Die von der Landesregierung für 2003 geplante Kürzung von Zuschüssen für die Beratungsstellen wäre kontraproduktiv.
Leider nähmen die Betroffenen diese Entscheidung stillschweigend hin und protestierten nicht dagegen auf der Straße. "Bereits heute gibt es in einigen Regionen Wartelisten von mehreren Wochen für die Beratung von Schuldnern", stellte Müller fest. Nach Angaben des Sozialministeriums gibt es in Brandenburg rund 50 Beratungsstellen. Die Landeszuschüsse werden im laufenden Jahr um 300 000 auf nur noch 472 000 Euro reduziert.
Träger der Beratungsstellen sind größtenteils Hilfsorganisationen wie die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz, die Diakonie, Caritas und der Paritätische Wohlfahrtsverband. "Ohne Hilfe durch die Berater würden die Betroffenen zumeist für ewig auf ihren Schulden sitzen bleiben", meinte Müller. Vor allem junge Leute seien betroffen. Sie fielen durch Unerfahrenheit auf aggressive Werbung herein und vertelefonierten oft Unsummen mit ihren Handys.
"Ursache für hohe Zahlungsverpflichtungen ist mitunter noch die DDR-Mentalität", sagte Müller. Auch 13 Jahre nach der Wende hätten für diese Gruppe Mietzahlungen oder die Begleichung von Energierechnungen noch immer einen zu geringen Stellenwert. Viele Brandenburger gerieten jedoch unverschuldet in finanzielle Schwierigkeiten. Zu den Ursachen gehörten Arbeitslosigkeit und Krankheit. Häufig würden auch leichtsinnig hohe Bürgschaften für gute Freunde übernommen. (dpa/wie)