Die wenigsten kennen den 40-Jährigen jedoch als engagierten Künstler, der Ausländerfeindlichkeit in Deutschland anprangert und sich für die Rechte von Menschen aus anderen Kulturen stark macht. Diese andere Seite will der einstige Sänger des Leipziger Thomanerchores seinem Publikum jetzt in einer musikalischen Lesetour präsentieren, die jetzt in der Dessauer Marienkirche startete. Gemeinsam mit Gitarrist Kristof Hahn wird Krumbiegel bis Ende November in 19 ostdeutschen Städten aus dem Buch "Hoffnung säen - Lebensgeschichten von Flüchtlingen" lesen und dazu Songs aus seinem aktuellen Soloalbum "Geradeaus abgebogen" singen.

Lesen und singen
Das Buch, dessen Herausgeber Krumbiegel ist, erzählt die Lebensgeschichten von Flüchtlingen aus verschiedensten Ländern. Sie alle hat das Schicksal nach Leipzig - die Heimatstadt des Sängers - verschlagen. Er wird dem Publikum Passagen aus dem Buch vorlesen und dazu Lieder von Rio Reiser, Udo Lindenberg und aus seinem eigenen Album singen, die irgendwie alle zum Thema passen. So covert Krumbiegel unter anderem Lindenbergs Song "Er wollte nach Deutschland" oder Rio Reisers Lied "Sei mein Freund". Es sind allesamt Lieder über Liebe, Freundschaft und gegenseitigen Respekt, die der Prinz auf Solo-Pfaden präsentiert.
"Ich will dabei nicht mit dem erhobenen Zeigefinger dastehen oder die Moralkeule schwingen", sagt der zweifache Vater, der inzwischen seinen roten Pumuckl-Haar-Look abgelegt hat und erwachsen geworden ist. Schon seit Jahren engagiert sich Sebastian Krumbiegel gegen Ausländerfeindlichkeit. So initiierte er beispielsweise vor zehn Jahren die Leipziger Konzertreihe "Courage zeigen", mit der jedes Jahr Ende April dem Nazi-Aufmarsch in seiner Heimatstadt musikalisch Paroli geboten wird.
Auffällig ist, dass Krumbiegel nur durch ostdeutsche Städte tourt. Hier, so denkt er, seien nun mal die Brennpunkte von Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit. "Ich will kein Gebiet stigmatisieren. Fakt ist aber, dass es im Osten mehr Ausländerfeindlichkeit als im Westen gibt", sagt der Sänger, der vor drei Jahren selbst Opfer eines Skinhead-Überfalls wurde. Wenn seine Lesetour gut ankommt, will Krumbiegel vielleicht im nächsten Jahr mit dem gleichen Programm in westdeutschen Städten auftreten.

Für die Sache gewinnen
Nun hofft er erst einmal, während seiner musikalischen Lesetour durch ostdeutsche Locations Menschen für seine Sache gewinnen zu können, die noch nach einem eigenen Standpunkt suchen. Krumbiegel selbst nutzt seine Prominenz, um seine Ansichten vehement zu vertreten - überall, wo es darauf ankommt. "Jeder Mensch hat seine Meinung. Wenn die vernünftig ist, sollte er mit dieser Meinung hausieren gehen", sagt er.
Die Prinzen werden natürlich unabhängig von seinen Solo-Projekten weiter gemeinsam auftreten, versichert der Sänger den Fans der Popband. Bis vor kurzem waren die fünf Jungs auf einer Tournee "akustisch unterwegs" und werden im kommenden Jahr eine neue Platte herausbringen.
Aus diesem Grund war Krumbiegel vor Beginn seiner Lesetour mit Bandkollege Tobias Künzel fünf Tage in Vilnius, um ungestört neue Lieder schreiben zu können. "Wir fahren gern mal in eine andere Umgebung, wo wir ungestört sind und keine Termine haben", erklärt der Sänger. Mitgebracht haben sie die Ideen zu vier neuen Songs. Doch die müssen erst vom Rest der Band eingehend auf ihre Hit-Tauglichkeit geprüft werden.