D ietmar Woidke geht ganz als Letzter zur Wahl. Im Schutz des Metallschirms in der hintersten Ecke des Plenarsaals macht er sein Kreuz, faltet seinen Zettel und wirft ihn in die hölzerne Urne. Die Schriftführer nehmen das Gefäß, öffnen den Deckel. Während die Urne schon offen ist, fragt Landtagspräsidentin Britta Stark noch einmal, ob auch jeder seine Stimme abgegeben hat. Dann werden die Stimmen gezählt. Plötzlich dreht sich der zu den Schriftführern gehörende SPD-Abgeordnete aus Oberspreewald-Lausitz, Wolfgang Roick, in Richtung Woidke und zeigt mit dem Daumen nach oben. Und jeder im Saal weiß: Es hat geklappt.

Mit 47 Stimmen, exakt der Zahl der Koalitionsabgeordneten, und unter den wachsamen Blicken seiner Amtsvorgänger Manfred Stolpe und Matthias Platzeck, wird Dietmar Woidke im ersten Wahlgang zum Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg gewählt. 40 Parlamentarier stimmten gegen ihn, einer, der AfD-Abgeordnete Franz Wiese, fehlt aus Krankheitsgründen. "Die Koalition steht", sagte Woidke nach seiner Wahl. Es sei wichtig, ein Signal der Geschlossenheit gesandt zu haben. Einige Minuten später steht der Ministerpräsident im Fraktionssitzungssaal der SPD. An der Wand eine große Landesfahne. Vor ihm ein Mikrofon. "Im Namen des Landes Brandenburg ernenne ich den Minister a. D. Christian Görke zum Minister der Finanzen." Der Angesprochene geht zu Woidke, erhält einen Blumenstrauß und seine Ernennungsurkunde. Wo andere eine Rede gehalten hätten, ist Woidke lakonisch kurz. Auch bei der Ernennung seines Kabinetts verzichtet er auf große Worte. "Preußisch", sagt der ehemalige Landtagspräsident Gunter Fritsch, der die Szene beobachtet.

Preußisch wirkt auch Karl-Heinz Schröter, als er zum Ministerpräsidenten geht. Aus dem Landrat von Oberhavel, einem groß gewachsenen Mann mit Schnurrbart, wird der Innenminister des Landes Brandenburg.

Mit einem weiß-roten Blumenstrauß in der Hand verlässt kurze Zeit später auch die neue Infrastrukturministerin Kathrin Schneider den Tagungsraum. Die gebürtige Lübbenerin freut sich sichtlich auf die neue Herausforderung. "Es ist schon aufregend, und ein schönes Gefühl, jetzt die Urkunde in der Hand zu haben", sagt Schneider. Nun müsse sie sich im neu zugeschnittenen Ministerium einrichten: "Wir haben viele Aufgaben, von der Mietpreisbremse bis zur Mobilitätsstrategie ."

Schließlich noch einmal der Plenarsaal. In einem Stuhlkreis sitzen die Minister vor dem Rednerpult des Landtags. Landtagspräsidentin Britta Stark liest den von der Verfassung vorgegebenen Amtseid vor. Einer nach dem anderen schwören die Minister, ihr Amt zum Besten des Landes Brandenburg zu führen. Die religiöse Eidesformel "So wahr mir Gott helfe" gebrauchen außer Woidke allerdings nur drei: Bildungsminister Günter Baaske, Kultusministerin Sabine Kunst und Innenminister Karl-Heinz Schröter.

Dann ist es vollbracht. Das Land Brandenburg hat wieder eine neue Regierung. Doch in die Glückwünsche und in den Blumenhagel für das Kabinett mischen sich auch Wermutstropfen: "Rot-Rot steht für fünf Jahre falscher Weichenstellungen und verpasster Chancen, eine Fortsetzung dieses Bündnisses ist zum Nachteil Brandenburgs", kommentiert etwa der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Schierack die Kabinettsbildung. "Als Opposition werden wir alles dafür tun, weitere fünf Jahre des Stillstands zu verhindern."

Und der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Axel Vogel, fürcht et, dass "Verwalten statt gestalten" zum neuen Schwerpunkt der Koalition wird. Zunächst aber hat das neue Kabinett fünf Jahre Zeit, um die Vorwürfe zu entkräften. Denn erst 2019 sind in Brandenburg wieder Landtagswahlen.

Zum Thema:
Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring wird neuer Staatssekretär im Innenministerium. Das teilte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) nach seiner Wahl am Mittwoch im Landtag in Potsdam mit. Feuring löst Rudolf Zeeb ab, der in der neuen Landesregierung die Staatskanzlei leiten wird. Feuring war wegen der Ermittlungen im "Maskenmann"-Fall in die Kritik geraten. Ermittelnde Beamte hatten beanstandet, sie hätten nicht in alle Richtungen recherchieren können. Feuring wies die Kritik zurück. Schröter sagte zu den Vorwürfen, er kenne keine Einzelheiten und müsse sich noch einarbeiten.