Der Kontrast wirkt auch so scharf, weil Merkel ihre Flüchtlingspolitik nicht erklärt.

Der Wandel von der strengen Gesetzeshüterin, die das Flüchtlingsmädchen Reem zum Weinen brachte, zur "Mama Merkel" der Schutzsuchenden kam genauso abrupt wie nun die Rolle rückwärts. Niemand glaubt, dass in drei Jahren in Syrien Frieden herrscht.

Deshalb wäre es vordringlich, alle Kraft darauf zu verwenden, die Migranten hier in Jobs zu bringen. Doch Merkel hat vor allem die Innenpolitik im Auge.

"Neue Presse" (Hannover): Beim Thema Flüchtlinge war die Kanzlerin bisher unbeirrbar. Selbstbewusst fuhr Angela Merkel ihren humanitären Kurs, stoisch ließ sie alle Kritik an sich abprallen. (...) Bis zum Sonnabend. Bei einer CDU-Veranstaltung in Neubrandenburg überraschte die Kanzlerin mit der Aussage, dass sie erwarte, dass die Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückkehren würden - wenn denn endlich Frieden in Syrien herrsche.

Niemals zuvor hatte die Kanzlerin das temporäre Bleiberecht so ausdrücklich formuliert. Das als markanten Wendepunkt der Merkelschen Unerschütterlichkeit zu bezeichnen, wäre zu früh. Ihre Äußerungen sind keine Abkehr von ihrem bisherigen Kurs - aber zumindest eine Korrektur.