Vier zehnte Klassen des Goethe-Gymnasiums Pritzwalk hatten zuvor vier Fraktionen und die Regierung gebildet - aus den Grünen und der Linkspartei. SPD und CDU, die im echten Parlament regieren, waren bei den Koalitionsgesprächen für das Jugendparlament nicht schnell genug und mussten sich mit der Oppositionsrolle begnügen. Der grüne Ministerpräsident, ein ruhiger Lockenkopf, kam eher zufällig ins Amt: "Es gab ein gewisses Desinteresse an diesem Posten, deshalb habe ich mich gemeldet", verriet Tobias Blümel.

Volksvertreter an Monitoren
Die Sitzung des 99-köpfigen Jugendparlaments wurde über Monitore in die Büros der echten Abgeordneten übertragen. Manche zeigten sich überrascht, wie selbstsicher und ernsthaft die 16-jährigen Themen wie Erhöhung der Studiengebühren, Senkung des Wahlalters auf 16, stärkere Förderung des Mittelstandes in den Randregionen, einjährige Probezeit für junge Arbeitnehmer, Legalisierung leichter Drogen debattierten. Auch Stilfragen wurden ernst genommen: "Ich bitte doch, Sie zu sagen und nicht zu duzen", ermahnte ein Jugendparlamaterier von der SPD seine Kollegen. Und es hieß auch schon mal: "Bitte nicht zu weit vom Thema abschweifen."
Abgelehnt wurde ein Antrag der Regierung aus Grünen und Linkspartei, die Schulschließungen im Land zu stoppen: "Man kann Schulen nicht wie Betriebe ansehen, die keinen Gewinn abwerfen." Außerdem sinke, wenn immer mehr Kinder die Schulen wechseln müssten, das Bildungsniveau. Die langen Fahrwege seien den Schülern nicht zuzumuten.
Die oppositionelle CDU entgegnete, dass wegen der sinkenden Schülerzahlen überhaupt kein Weg an Schulschließungen vorbei führe. Die Linkspartei schloss sich, ganz gegen die Praxis im echten Landtag, der Argumentation der CDU an. Die jungen Leute denken eben nicht in ideologischen Schubladen. Außerdem gab es keinen Fraktionszwang.
Aber was ist, so fragte ein Abgeordneter, wenn wieder mehr Kinder geboren würden? Wo sollen die herkommen, wenn auf dem Lande bald nur alte Leute wohnten, konterte die CDU. Außerdem, so eine Jugendparlamentarierin, seien Karriere, Haus und Reisen wichtiger als Kinder in die Welt setzen. Dem widersprachen andere entschieden: "Es liegt an uns, ob wieder Kinder geboren werden. Man kann auch Karriere machen und Kinder haben."

Es hat großen Spaß gemacht
Hinterher waren sich die Jugendparlamentarier einig: Es habe großen Spaß gemacht. Auch der Ministerpräsident war trotz verschiedener Abstimmungsniederlagen seiner Regierung dieser Meinung: "Die Schlappen sind zwar ärgerlich, aber das ist eben Demokratie." Andere urteilten ähnlich: "Man hat gesehen, wie alles zusammengehört." "Man bekommt ein ganz anderes Bild von Politikern", urteilten die Schüler.
Auch der echte Landtagspräsident Gunter Fritsch sprach von einer gelungenen Premiere. Er wünscht sich, dass auch andere Schulen die Idee des Pritzwalker Gymnasiums aufgreifen und künftig regelmäßig solche Jugendparlamente im Landtag tagen.