„Sicherlich bereitet uns das Probleme“, sagte Norbert Weich, Landesvorsitzender der Tafeln in Berlin und Brandenburg. Einerseits rechneten die von den Preissteigerungen betroffenen Kunden der Tafeln genau, wie oft sie sich einen Einkauf bei einer der 35 Tafeln in der Mark leisten könnten. Andererseits sei zu beobachten, dass Supermärkte, Händler oder Bäcker zum Teil weniger Lebensmittel spendeten. In der Urlaubszeit bestellten einige Händler auch weniger Waren, sagte Weich.
Von anderen Erfahrungen berichtet Karin Lachmann von der Neuruppiner Tafel. Es sei nicht auffällig, dass es weniger Waren für „ihre“ Ausgabestellen gebe. Eine Sprecherin der Supermarktkette „Kaufland“, die märkische Tafeln beliefert, betonte, dass der Warenbestand allgemeinen Schwankungen unterworfen sei, die nichts mit höheren Energiekosten zu tun hätten. Die Cottbuser Tafel verzeichnet sogar einen positiven Trend. Die Zahl der Zulieferer ist nach Angaben der Mitarbeiter in den vergangenen Jahren gestiegen.
Die Tafeln verteilen bundesweit kostenlos oder zu einem geringen Betrag Nahrungsmittel an Bedürftige. Norbert Weich zufolge sind für August eine weitere Tafel in Südbrandenburg und drei in der Prignitz geplant. Wie viele Menschen die Ausgabestellen in Brandenburg nutzen, sagte Weich nicht. „Es sind immer noch zu viele.“ In Cottbus sind es mittlerweile mehr als 5000 Bedürftige. Die Zahl steigt stetig.
Wegen großer Nachfrage solle es künftig eine neue Tafel in Storkow (Oder-Spree) geben, sagt Siegfried Unger, Vorstand der Gesellschaft für Arbeits- und Sozialrecht, die Tafeln betreibt. Lebensmittelmärkte kalkulieren nach seinen Worten auch schärfer wegen der Autobahn-Maut.
Ralf Radebach von der Prenzlauer Tafel sagte: „Genug ist nie da. Der Bedarf ist größer als das, was wir heranschaffen können.“ Die Tafel in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) versorgt nach eigenen Angaben etwa 200 Menschen und deren Familienmitglieder pro Woche und damit rund doppelt so viele Personen wie noch vor einem Jahr.
Damit die Lebensmitteltüten nicht kleiner werden, verteilten die Tafeln in Brandenburg bereits jetzt untereinander Spenden über die Kreisgrenzen hinweg, so Weich. Jörg Jutzi von der Volkssolidarität sagte: „Ich muss darüber nachdenken, wie sich gestiegene Kosten refinanzieren lassen.“ Die Potsdamer Suppenküche biete die Möglichkeit, kostenlos Duschen und eine Kleiderkammer zu nutzen. Es könnte sein, dass Menschen in Not künftig für diese Angebote zahlen müssten, sagte Jutzi. (dpa/ig)