Schwarzheide/Roggosen. Unsichtbar, selbst vor widrigsten Wetterbedingungen geschützt und fälschungssicher können die Gurtbandreinigungsanlagen der Industrie- und Fördertechnik GmbH Roggosen (Spree-Neiße) so gekennzeichnet werden, dass die Experten des Unternehmens über eine einzigartige Funktechnologie weltweit auf alle Maschinendaten zugreifen können. Der dafür entwickelte RFID-Transponder (Radio Frequency Identification) liefert die Informationen über die Bauteile zuverlässig in die Lausitzer Firmenzentrale, obwohl die Datenübertragung im metallischen Umfeld erfolgt. "Damit haben wir die Nase ganz weit vorn", sagt Anne Christiansen, Geschäftsführerin der Industrie- und Fördertechnik GmbH Roggosen (Spree-Neiße) - überglücklich und stolz.

Das innovative Kleinstunternehmen mit zwölf Mitarbeitern liefert Gurtbandreinigungsanlagen für Steinkohle-Terminals, Kupferminen, die Zementindustrie und für Kiesgruben auf der ganzen Welt. Für den Schutz vor gefälschten Ersatzteilen durch Produktpiraterie und einen optimalen Wartungsservice hat das Unternehmen gemeinsam mit der dmp Identsysteme GmbH Bad Liebenwerda (Elbe-Elster), einem Spezialisten für Datenübertragungstechnik, und der geballten Forschungskompetenz der Hochschule Lausitz und der Universität Leipzig praktisch das Faradaysche Gesetz überlistet. Denn der entwickelte Datenträger im Inneren der Maschine übermittelt auf Abruf alle gewünschten Informationen, obwohl das Metallgehäuse elektrische Signale eigentlich abschirmt und die Funkübertragung naturgemäß stören müsste.

Seit Mai des vergangenen Jahres ist der von den Hochschulen entwickelte und von den beiden Lausitzer Unternehmen umgesetzte Prototyp des Transponders im Einsatz. In den Glassandwerken Hosena (Oberspreewald-Lausitz) hat sich die neue Technologie bestens bewährt. Das bestätigt Werkleiter Volker Wenk, bei dem vom implantierten Chip im Gurtbandreiniger zuverlässig alle verbauten Anlagenkomponenten gelesen werden konnten.

Sylvio Simon, Professor für Produktsysteme und Werkzeugmaschinen der Hochschule Lausitz, hat das Einbringen des RFID-Chips in die Metallteile der Anlage und die mechanischen Tests übernommen. "Ich bin Lausitzer und heute besonders stolz darauf", sagte er am Mittwochabend zur Preisverleihung im Kulturhaus der BASF Schwarzheide sichtlich bewegt. Dieser Erfolg solle vor allem kleinen und Kleinstunternehmen der Wirtschaftsregion Mut machen, Innovationen an- und mit den Ideen und Bedarfen selbstbewusst auf die Hochschulen zuzugehen. "Dies ist für viele leider noch die größte Hürde", schätzt Simon ein. Diese soll mit dem ausgelobten WissenschaftsTransferpreis der Wirtschaftsinitiative Lausitz leicht genommen werden können, betont der Vorsitzende Dr. Hermann Borghorst. "Ich kann dazu nur ermutigen", sagt Anne Christiansen. "Wir haben großartige Hochschulen in der Lausitz."

Zum Thema:
Die Wirtschaftsinitiative Lausitz (WiL) hat den Lausitzer WissenschaftsTransferpreis ausgelobt, um die Vernetzung zwischen Hochschulen und Lausitzer Unternehmen zu verbessern. Aus den acht eingereichten Projekten 2012 hat die Jury unter Vorsitz von BASF-Geschäftsführer Dr. Karl-Heinz Tebel den zweiten Platz der "Kooperation zur Entwicklung der Druckaufgeladenen Dampfwirbelschichttrocknung (DDWT) von Braunkohle für das effiziente Kraftwerk der Zukunft" (BTU Cottbus und Hochschule Zittau mit neun Unternehmen der Region) zuerkannt. Auf Platz drei landete die "Herstellung von hochtemperaturbeständigen Filamenten und Werkstoffen" (CeraFib GmbH/Institut für Textilchemie und Chemiefasern Denkensdorf).