Dieser Schritt würde nach Angaben Platzecks das endgültige Aus für das Unternehmen bedeuten. Die Landesregierung sei entsprechend ihren Möglichkeiten bereit, mit Finanzspritzen oder Bürgschaften zu helfen, "wenn sich Investoren fänden, die den Standort erhalten wollen", betonte der Regierungschef. Es gibt aber auch Stimmen in der Koalition, die vor einem Präzedenzfall warnen. Mit dem gleichen Recht könnten angeschlagene Unternehmen in anderen Regionen Staatshilfen einfordern. Premnitz dürfe kein Fass ohne Boden werden.
Gegenüber der RUNDSCHAU sagte Platzeck, die Lage in Premnitz sei ernst. Ein Ende des Prefil-Unternehmens könnte weitreichende Folgen für den gesamten Chemiestandort haben, der aus einer Handvoll Nachfolgeunternehmen des früheren DDR-Chemiekombinates "Friedrich Engels" (damals 7500 Beschäftigte) besteht. So müsste zum Beispiel das Kraftwerk, wenn es seinen wichtigsten Abnehmer verliere, Leute entlassen und die Energie-Preise erhöhen. Dies hätte Folgen für die Rentabilität der anderen Betriebe und könnte "zu einer Kettenreaktion führen".

Betriebsrat mahnt zur Eile
Auch die Betriebsratsvorsitzende Sabine Kindler mahnte gestern erneut zur Eile: Mit dem Verkauf der Spinnmaschinen könne "ein Damm brechen". Das wäre "Sterbehilfe für den gesamten Standort", die die Landesregierung verhindern müsse. Dem Vernehmen nach stehen die Verträge vor der Unterzeichnung.
Platzeck räumte ein, dass die Landesregierung vor einer schwierigen Situation stehe: "Es darf nicht passieren, dass die Maschinen jetzt verkauft werden und ein paar Wochen später eine Lösung möglich wäre." Die Landesregierung müsse "das Riesengeflecht aufknüpfen" und "alle Lösungsmöglichkeiten prüfen". Der Verkauf der Maschinen könne aber nicht einfach von der Regierung gestoppt werden, da der Insolvenzverwalter unter dem Druck der Gläubiger stehe. Er müsse überzeugt werden, nicht vorschnell zu handeln.
In der Landesregierung gilt der Fall Premnitz als Politikum, denn die Geschichte des Chemiestandortes ist seit 1990 eine einzige Zitterpartie. Die nach der Wende gegründete Märkische Faser AG, aus der die Prefil GmbH und einige andere Betriebe hervorgegangen sind, stand mehrfach vor der Pleite. Die Liste gescheiterter Rettungsversuche ist lang: erst die Schweizer Alcor, dann das russische Staatsunternehmen Rostextil. 1994 übernahm die West-LB aus Nordrhein-Westfalen unter Vermittlung des damaligen Regierungschefs Manfred Stolpe das angeschlagene Unternehmen, bis es später an einen spanischen Investor und bald darauf an ein Unternehmen aus Singapur veräußert wurde.

Rettungsversuche kosten Millionen
Zwischenzeitlich stieg die inzwischen ebenfalls insolvente Landesentwicklungsgesellschaft LEG in Premnitz ein. "Jeder Rettungsversuch kostete das Land viele Millionen", heißt es in Regierungskreisen. Nach vorsichtigen Schätzungen sind seit 1990 mindestens 420 Millionen Euro öffentlicher Mittel in den maroden Alt-Industriestandort geflossen. Platzecks Vorgänger Manfred Stolpe hat diese Politik immer verteidigt.