Die bislang größte Serie von neun Praxiseinbrüchen hat es in Nürnberg gegeben, wo die Polizei die Sache allerdings nicht zu hoch hängen will. „Da war ein Einbrecher mal bei den Ärzten unterwegs“ , sagt Polizeisprecher Peter Grösch. Schließlich habe es schon immer Einbrüche in Praxen gegeben, wo neben Medikamenten und Computern auch die Kaffeekasse beliebtes Objekt der Begierde sei. Ähnliches berichten Polizeidienststellen in Berlin und Nordrhein-Westfalen.
Einen Zusammenhang zwischen den neuen Gebühren und Einbruchserien sehen hingegen die Kassenärztlichen Vereinigungen in Berlin und Schleswig-Holstein. Bei sechs Praxiseinbrüchen seit Jahresbeginn seien im nördlichsten Bundesland regelmäßig geringe Geldbeträge gestohlen worden, berichtet der dortige KV-Sprecher Robert Quentin.
Auch für Norbert Seitz, Direktor des Deutschen Forums für Kriminalprävention in Bonn, liegt es auf der Hand, dass der bislang ungewohnte Umgang mit Bargeld in den Praxen neue „Tatanreize“ schaffe - gerade zu Beginn der Abrechnungsquartale, wenn nahezu jeder Patient seine zehn Euro entrichten muss. Sein wichtigster Ratschlag an die Ärzte und ihr Personal ist, das Geld zwei Mal am Tag auf die Bank zu bringen.
Die Rüsselsheimer Gynäkologin Margita Bert hat sich schon einen kleinen Tresor zugelegt und nach dem Tipp eines Polizisten für 450 Euro einen stärkeren Riegel an der Praxistür anbringen lassen. „Ich habe eher Angst vor dem Vandalismus als vor dem Verlust einiger Euro“ , sagt die Frauenärztin, die etliche teure Geräte hat.
Mit ihrer Vorsorge gehört Bert nach Einschätzung des Tresorbauers Sven Gümbel aus Siegbach am Fuße des Westerwalds aber zu den Ausnahmen innerhalb ihres Berufsstandes. „Die meisten Ärzte sind der Meinung, dass auch eine abgeschlossene Schublade reicht oder die Gebühr doch noch gekippt wird.“
Am sichersten, so meint der Präventionsexperte Michael Blach vom Hessischen Landeskriminalamt, kann man sich nach einer individuellen Risikoanalyse durch die örtliche Polizei sein. Kostenlos prüfen die Beamten die Praxis sicherheitstechnisch, um anschließend ihre Tipps abzugeben. „Da kann im Extremfall auch eine mit der Wache verbundene Überfallmeldeanlage dabei sein“ , sagt Blach. Meist reichten aber vernünftige Schlösser und Beschläge an Fenster und Türen sowie ein kleiner Tresor.