Ulrich Krapf stammt aus Schwaben und hat zuletzt als Leitender Arzt in einem Medizinischen Versorgungszentrum in Dresden und als Honorararzt in verschiedenen Kliniken in ganz Sachsen gearbeitet.

Der heute 56-Jährige bezeichnet sich selbst als Mann voller Neugier, der immer wieder Neues ausprobiert habe. Er habe in England und Südostasien praktiziert, arbeitete in einem mittelständischen Medizintechnikunternehmen und habe sich dabei vor allem mit der Krebstherapie und der pulsierenden Magnetfeldtherapie beschäftigt.

Das neue Modell der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg hat ihn gereizt. "Eine eigene Praxis zu führen und dabei kein finanzielles Risiko einzugehen, das hat mich überzeugt", sagt der getrennt lebende Mann, der in der Nähe Meißens wohnt und sich die Woche über eine Wohnung in Elsterwerda nehmen möchte.

Die Bedingungen in Elsterwerda sind ideal. Er führt mit unbefristetem Vertrag und einem gesicherten Einkommen die Praxis eines Mediziners weiter, der inzwischen im Ruhestand ist. Zudem befindet sie sich unter einem gemeinsamen Dach mit der des Allgemeinmediziners Dr. med. Frank Gogolin, dem der Gebäudekomplex gehört und von dem die Kassenärztliche Vereinigung die Räume anmietete.

Vorteil für die Patienten: Damit ist eine gegenseitige Ersetzbarkeit gewährleistet. Ulrich Krapf ist auf der Internetseite Elsterwerdas auf das Praxisangebot aufmerksam geworden und sagt überzeugt: "Das ist meine letzte berufliche Station."

Für Elsterwerdas Bürgermeister Dieter Herrchen (parteilos) findet damit ein langes Ringen um einen Praxisnachfolger ein glückliches Ende. "Wir sind mit mehreren niedergelassenen Ärzten, dem Ärztenetz Südbrandenburg, dem Medizinischen Versorgungszentrum und dem Krankenhaus gut aufgestellt", sagt das Stadtoberhaupt, schiebt aber gleich nach, dass es nach dem Weggang der Augenärztin immer noch keine Nachfolge für die Stadt gibt und dass auch die dermatologische Versorgung Sorgen bereitet.

Das KV RegioMed-System ist eine Antwort der KVBB auf den Ärztemangel auf dem Lande. Es richtet sich einerseits an Mediziner, die den kompletten bürokratischen Stress einer Niederlassung nicht haben wollen. "Sie wollen praktizieren, aber sich nicht stundenlang mit den Abrechnungen beschäftigen", erläutertet KVBB-Sprecher Ralf Herre.

Es sei auf dem weiten Land mit immer weniger Einwohnern aber auch keinem jungen Mediziner mehr zuzumuten, das finanzielle Risiko zu schultern, wenn in zehn Jahren vielleicht nur noch die Hälfte der Patienten dort wohnen. "Deshalb haben wir aus der Not heraus neue Ansätze gesucht und die RegioMed-Module entwickelt", schildert Herre.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat ein Modul Mitte August in Cottbus in Augenschein genommen. Die in KV-Regie geführte Bereitschaftspraxis - eine zweite gibt es in Potsdam - hatte sich bis Berlin herumgesprochen.

Der Minister war des Lobes voll und betonte beim Redaktionsgespräch in der RUNDSCHAU, dass die Anstellung von Ärzten gerade ländliche Gegenden unterstütze. Er sei jedoch für Vielfalt und betrachte die Anstellung von Mediziner nicht als alleiniges Rezept gegen den Ärztemangel auf dem Lande.

Neben den KV RegioMed Praxen, die inzwischen auch in Joachimsthal (Barnim) und Bad Freienwalde (Märkisch Oderland) von den Patienten angenommen wurden, verweist Herre auf das dritte Modul - die KV RegioMed Zentren.

Um sie zu installieren, ist nach Angaben des KVBB-Sprechers eine gründliche Analyse des Ist-Zustandes vor Ort erforderlich: Dabei gehe es um das medizinische Personal ebenso wie um die Bevölkerungsstruktur. Wie viele Alte, Kranke und Kinder gibt es? Wie ist die Altersstruktur der Ärzte? Welche Fachärzte gibt es und wie weit sind die Wege zu den Medizinern?

Herre erinnert sich an die Vorbereitungen des Zentrums in Guben (Spree-Neiße). Es seien alle Akteure an einen Tisch gekommen, "um die Struktur der ärztlichen Versorgung in den nächsten zehn Jahren zu beraten". Herausgekommen ist - Herre räumt ein, dass das auch ein wenig Glück war - ein KV RegioMed Zentrum, das die Gubener Ärzteschaft inzwischen verstärkt.

Denn mit dem Hausarzt Dr. Leszek Lacheta und seiner Frau, der HNO-Ärztin Malgorzata Babczynska-Lacheta, konnte eine polnisches Ärzte-Ehepaar für die Neißestadt gewonnen werden. In der Praxis wird zweisprachig behandelt. Beide sind Angestellte der KVBB. Umgesetzt wird die Idee mit dem jeweiligen Kooperationspartner - im Fall Guben mit der Medizinischen Einrichtungsgesellschaft (MEG) im Naemi-Wilke-Stift.

Nach Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) ist Guben das zweite KV RegioMed Zentrum. Jetzt werde für die Neißestadt noch ein Augenarzt gesucht. Die KVBB, die bundesweit Vorreiter mit den RegioMed-Modulen ist und sie markenrechtlich schützen ließ, sieht nicht nur in Guben Erweiterungsmöglichkeiten. Ob allerdings die Ansiedlung weiterer Ärzte realistisch ist, müsse Schritt für Schritt angegangen werden, betont Herre.

Der Sprecher macht zugleich deutlich, dass die angestellten Ärzte auf eine festes Honorar bauen können. Aber das müsse auch erarbeitet werden und individuelle Prämien sind bei entsprechender Leistung nicht ausgeschlossen. Um das Modul-System komplett zu machen: In Müncheberg (Märkisch Oderland) realisiert die KVBB den ersten RegioMed Patienten-Bus. Der erspart dem Landarzt viele lange Wege, indem die Patienten in die Sprechstunde und wieder nach Hause gebracht werden.

Ralf Herre ist sich dennoch sicher, dass das RegioMed-System nicht das Allheilmittel gegen den Ärztemangel auf dem Lande ist. Ebenso wenig wie dies Agnes II, die Helferin des Arztes in entlegenen Regionen, leisten könne. "Aber war müssen alle Facetten nutzen", sagt Herre mit Blick auf die erst beginnenden demografischen Veränderungen nicht nur in der Lausitz.