Er ist ein pragmatischer Linker mit wirtschaftlicher Kompetenz, erfahren im römischen Gerangel um Macht und Einfluss. Der Norditaliener Pier Luigi Bersani (61), Chef der Mitte-Links-Partei PD (Partito Democratico), hat sich bei den Urwahlen überraschend klar als Kandidat für das Amt des italienischen Premiers durchgesetzt. Das tief in der Rezession steckende Land wählt im Frühjahr sein Parlament neu.

Solange ist der parteilose Mario Monti Italiens Regierungschef. Bersani will versuchen, in der Folge linker Premiers wie zuletzt Romano Prodi in den Regierungspalazzo Chigi in Rom einzuziehen. Seine Chancen sind zwar durchaus nicht schlecht. Die derzeitige politische Gemengelage Italiens mit einem nicht vom Volk gewählten Technokraten Monti ist allerdings noch ziemlich unübersichtlich. Das Land steht jedenfalls vor einer spannenden Wahl, bei der auch der im November 2011 abgetretene Silvio Berlusconi doch nochmals mitmischen könnte.

Pier Luigi Bersani ist ein Mann des linken Establishments, ein ganz "normaler", bodenständiger, etwas paternalistischer Politiker aus Bettola bei Piacenza in der Emilia-Romagna. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel etwa schätzt seinen Kollegen, den studierten Philosophen aus einfachen Verhältnissen. Wird mit Bersani ein früheres Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens nach einem Wahlsieg Premierminister? Erst Regionalpräsident im Norden, entwickelte er sich zu einem der linken Hoffnungsträger in einem stark von Silvio Berlusconi geprägten nationalen Umfeld.

Zwischen 1996 und 2008 sammelte Bersani dann unter drei Mitte-Links-Regierungen als Minister für Industrie, Transport und Wirtschaft Erfahrungen und Lorbeeren, vor allem als Reformer und Liberalisierer. Bei der vor fünf Jahren gegründeten "Demokratischen Partei" PD kamen als Chefs zwar zunächst Walter Veltroni und danach Dario Franceschini ans Ruder. Im Oktober 2009 übernahm dann Bersani. In der Urwahl, die nicht zuletzt auch von der hohen Beteiligung her ein Erfolg war, setzte sich Bersani deutlich gegen den um Jahrzehnte jüngeren Matteo Renzi (37) durch.

Einen Generationenwechsel gibt es also nicht. In einer TV-Direktkonfrontation hatte der Florentiner Bürgermeister, angetreten als unideologischer Modernisierer, zwar die bessere Figur gemacht. Bersani punktete mit einem ruhigen Auftritt. Zuverlässig will er wirken und die Wahlen auch nicht gewinnen, indem er den Italienern jetzt "Märchen" erzählt.