geführt. Der Vorsitzende der Gemeinschaft, Frantisek Banyai, rechtfertigt die Auftragsvergabe mit dem Argument, dass die tschechische Tochter des Essener Hochtief-Konzerns in einer öffentlichen Ausschreibung das beste Angebot abgegeben habe. Kritiker an der Moldau werfen dem Unternehmen jedoch vor, sich nicht genug von Bauten wie dem Führerbunker in Berlin distanziert zu haben.

Degussa-Vergleich unzulässig
"Das ist nicht in Ordnung, dass ein Heim für NS-Opfer von solch einer Firma gebaut wird", meint etwa der ehemalige Auschwitz-Häftling Jiri Franek, "die Vertreter der Gemeinde hätten sich besser informieren müssen." "Mir fehlt ein mitfühlendes Wort, dass Hochtief das Seniorenheim nicht nur als kommerzielles Projekt sieht", meint auch der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Tomas Jelinek. Vergleiche mit dem deutschen Streit um die Beteiligung der Firma Degussa am Holocaust-Mahnmal hält er für unzulässig.
"Der Bau in Berlin wurde von einer Stiftung des öffentlichen Rechts realisiert, das ist etwas anderes. Mir ist ja auch egal, ob die tschechische Regierung mit Hochtief zusammenarbeitet. Hier geht es aber um ein Projekt der Jüdischen Gemeinde", meint Jelinek, der früher in der Kanzlei des damaligen Staatspräsidenten Vaclav Havel gearbeitet hat. Die Kontroverse in Berlin drehte sich 2003 um die Anti-Graffiti-Beschichtung der Stelen durch Degussa. Eine Tochter der Firma hatte im Zweiten Weltkrieg das Gift Zyklon B hergestellt.
In Prag stößt die Kontroverse bei dem Unternehmen, das nach einer feierlichen Grundsteinlegung bereits mit dem Bau begonnen hat, auf wenig Verständnis. "Wir wurden 1951 gegründet und sind erst seit 1999 Teil von Hochtief", meint Sprecherin Alena Cechova. Die Firma habe ihre Geschichte nie verhüllt und realisiere derzeit in Deutschland und den USA ebenfalls Aufträge für jüdische Klienten. Der Streit hat auch eine persönliche Dimension: Banyai hatte Jelinek vor einem Jahr bei Wahlen als Vorsitzender abgelöst. Beide verstehen sich als Vertreter verschiedener Strömungen - Jelinek sieht sich als Reformer, während Banyai die Gemeinde zunächst konsolidieren will.

100 Jahre jüdisches Museum
Eigentlich hätte die Gemeinde Grund zur Freude: Das renommierte Prager Jüdische Museum feiert in diesen Tagen mit zahlreichen Veranstaltungen seinen 100. Gründungstag. Jedoch überschattet die Kontroverse das Jubiläum. Banyai glaubt indes nicht, dass sich künftige Bewohner des Heims am Bauträger stören. Er hofft, das die Kritik an dem Prestigeprojekt bis zur geplanten Eröffnung Ende 2007 verstummt: "Anderenfalls dürften die Menschen in Israel auch keine Autos von Skoda fahren", bemüht er einen Vergleich, "schließlich werden die von einer Tochter von Volkswagen gebaut."