personenbezogenen sorgen für Aufregung. Mehrere Zehntausend Namen von Menschen, die zwischen 1945 und 1990 in dieser oder jener Form für oder mit den sowjetisch geprägten Geheimdiensten gearbeitet haben sollen, sind bereits online zugänglich.
Mit etwas Geduld und Computerkenntnissen lässt sich die Sammlung gezielt nach Nachbarn, Arbeitskollegen oder Prominenten durchsuchen. Manche der Dokumente sind auf Russisch abgefasst. Über immer mehr strittige Fälle berichtete die örtliche Presse in Prag. Da gibt es etwa die vier amtierenden Parlamentsabgeordneten Walter Bartos, Thomas Hasil, Juraj Raninec und Pavel Ploc. Alle bestreiten vehement, wissentlich als Informanten gedient zu haben.
Pavel Zacek, Leiter des Instituts, versucht das Auftauchen dieser Namen in den Geheimdienstarchiven zu erklären. Es gebe viele Gründe: Bartos und Hasil dürften nach Aktenlage nur deshalb in den Archiven auftauchen, weil sie von hauptamtlichen Geheimdienstlern verdeckt ausgehorcht wurden, sagte der Historiker. Im Fall Raninec seien wichtige Unterlagen vernichtet worden und ein genaueres Urteil deshalb unmöglich. Und der ehemalige Spitzen-Skispringer Ploc, so Zacek, dürfe zu jener Gruppe gezählt werden, die schon routinemäßig wegen ihrer Auslandskontakte Fragen über sich ergehen lassen mussten.

Expertenwissen ist notwendig
Entwarnung also? Die Online-Datenbank reiht Namen und Berichte aneinander, oft in Faksimiles. Wer Opfer oder Täter war, lässt sich ohne Expertenwissen über Hierarchien und historische Umstände dabei nicht entscheiden. Ab und an, wie in den Fällen Bartos, Hasil und Raninec, verweist ein Link auf aktuelle persönliche Anmerkungen. "Für mich ist es erschreckend, dass manchmal jemand irgendwo und ohne Ihr Wissen schreibt, dass Sie mit ihm gesprochen haben und dies dann möglicherweise auch nach vielen Jahren Auswirkungen auf ihr Leben hat", schließt etwa Hasil seine Unschuldserklärung.
Ex-Skispringer Ploc andererseits kündigte an, gegen die Veröffentlichungen gerichtlich vorzugehen. Das Archiv verhalte sich nicht gesetzeskonform, sein Ruf werde geschädigt. "Meine Anwälte kümmern sich darum", sagte Ploc, ohne auf Details eingehen zu wollen.

Havel befürchtete Racheakte
In der Vergangenheit waren die Geheimdienstarchive in Tschechien gesperrt geblieben, Präsident Vaclav Havel hatte nach dem Systemwechsel Risse und Rache in der Gesellschaft befürchtet. Erst mit Nachfolger Vaclav Klaus und der jetzigen Mitte-Rechts-Regierung kamen die Veröffentlichungen in Gang. Innenminister Ivan Langer stieß die Aktion "Offene Vergangenheit" selbst an. "Nur wenn wir unsere Vergangenheit kennen und verstehen lernen, können wir uns mit ihr auch aussöhnen", sagte Langer im Februar.
Als "politische Pornografie" beschimpfte ein Leitartikler der bürgerlichen Tageszeitung "Li do ve noviny" den neuen Kurs, vermeintlich spektakuläre Geheimdienstgeschichten sollten nur von wichtigeren Themen ablenken. Die gemäßigt linke Tageszeitung "Pravo" wies auf den "persönlichen Datenschutz" hin: Die bisher betroffenen Politiker hätten wie "auch Tausende von anderen Sportlern, Künstlern und Bürgern ( . . . ) gute Chancen, vor Gericht zu gewinnen". Das Archiv macht unterdessen stetig neue Teile der vielen Aktenkilometer öffentlich - doch die juristische Beschwerde von Ploc blieb bislang ein Einzelfall. www.abscr.cz