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Präsidialer Besuch in der Lausitz

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begutachtet im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Gallinchen die Arbeit eines Lehrlings aus Afghanistan.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begutachtet im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Gallinchen die Arbeit eines Lehrlings aus Afghanistan. FOTO: dpa
Lausitz. Einen Kaktus, der auch noch Berta heißt, bekommt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bestimmt nicht jeden Tag. Überreicht hat ihm die stachlige Pflanze Lisa Kühn. Katrin Kunipatz, Peggy Kompalla, Daniel Preikschat

Die Schülerzeitung war nur eins von vielen Themen, über die am Freitagvormittag in der Aula gesprochen wurde. Begleitet von Ehefrau Elke Büdenbender und Ministerpräsident Dietmar Woidke traf der Bundespräsident mit Schülern und Lehrern zusammen. Ausgehend von den beiden von der Wehrmacht zerstörten Neißebrücken, beschrieb Schulleiter Thomas Röger den Anspruch der Europaschule: "Wir wollen Brücken aufbauen."

Nach der knapp einstündigen Begegnung mit den Gymnasiasten fuhr der Bundespräsident mit seinem Tross zur Forster Lausitz-Klinik, wo er mit Ärzten und Pflegekräften sprach. Dabei erläuterten die Gesprächspartner ihre Bemühungen, um ausländische Ärzte als neue Fachkräfte zu gewinnen.

Im Cottbuser Ortsteil Gallinchen will der Bundespräsident das Aus- und Weiterbildungszentrum der Handwerkskammer erkunden und die Lehrlinge kennenlernen. Begrüßt wird Steinmeier von Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) und dem Präsidenten der Handwerkskammer Cottbus Peter Dreißig. Angehende Anlagenbauer rutschen nervös auf ihren Stühlen hin und her. Steinmeier und seine Frau verwickeln sie ohne Umschweife in Gespräche. Das Staatsoberhaupt hört zu. Es ist aber vor allem die First Lady, die nachhakt. Sie reden über Thermostate und Wärmepumpen. Alles ganz unverkrampft. Die Anspannung verfliegt.

In der Metallwerkstatt stehen Flüchtlinge an der Werkbank. Sie können ihre Nervosität nicht so leicht ablegen. Wo es mit Deutsch nicht klappt, wechselt Steinmeier kurz ins Englische. So erfährt er, dass ein junger Mann aus Somalia stammt, ein anderer aus Afghanistan. Sie gehören zu knapp 80 Flüchtlingen, die seit dem Jahr 2016 in dem Bildungszentrum ans Handwerk und den Umgang mit verschiedenen Materialien herangeführt werden. Dazu gibt es einen Deutschkurs.

Frank-Walter Steinmeier genießt den Besuch, macht später beim Mittagessen viele Selfies mit den jungen Leuten.

Schließlich geht's weiter in den Spreewald, nach Lübbenau. Dort sorgt der Bundespräsident mit seinem Gefolge zunächst einmal für Verwirrung. Eine Frau in Spreewaldtracht hält das Rudel, vor ihr auf den Kahnbänken ein fein gekleidetes Paar und Herren in Anzügen. "Bestimmt eine Hochzeit", vermuten zwei Urlauberinnen am Großen Hafen. Dass hier der Bundespräsident mit Gattin unterwegs ist - das glauben sie erst, als der Kahn unter der Brücke durchfährt: "Ja wirklich, das isser." Zu Wasser geht es zum Lübbenauer Schloss. Dort heißt es für die Presse-Vertreter zuerst einmal "Draußen bleiben!". Frank-Walter Steinmeier will sich in Ruhe mit aktiven Mitgliedern des Netzwerks Gesunde Kinder unterhalten, ehe sich die Türen zur Orangerie des Schlosses öffnen. Der Bundespräsident ist beeindruckt von dem Engagement. An die 10 000 Kinder hat das Netzwerk seit seiner Gründung bereits betreut. Der präsidiale Besuch endet mit einem Bürgerempfang für Ehrenamtliche und mit vielen begeisterten Dankesworten an die Organisatoren dieser informativen Lausitz-Tour.