Nun macht er sich daran, den Staatsapparat zu verschlanken. Elf Ministerien kommen unter neue Leitung oder werden fusioniert. Bekannte Politiker bekamen den "Schlafanzug verpasst", wie der Volksmund den Fall hoher Funktionäre umschreibt. Dabei setzte Castro auch Vertraute seines Vorgängers und Bruders Fidel ab. Macht und Amt verlor etwa Außenminister Felipe Pérez Roque, der einst Hoffnungsträger der kommunistischen Parteijugend war. Einfluss eingebüßt hat auch der Wirtschaftsreformer Carlos Lage. Er war bisher Se kretär des Ministerrats und ist jetzt Vizepräsident ohne besonderen Aufgabenbereich. Schwerpunkt der Umbildung ist die Wirtschaft. Die Versorgung in Kuba ist kritisch, die Exporterlöse fallen. Castro will dem Problem mit mehr Kontrolle in der staatlichen Planwirtschaft begegnen, nicht mit mehr Marktwirtschaft.Vertraute aus Armee benanntUnter neuer Leitung stehen nun die Ministerien für Finanzen und Preise, für Wirtschaft und Planung, für Handel, Arbeit, Ernährungsindustrie, Stahlerzeugung, Wissenschaft, Technologie und Umwelt. Zum Zug kamen dabei Parteikader der jüngeren Generation und Vertraute aus der Armee. Zurückgestutzt wurde hingegen der Funktionär, der für mehr Marktwirtschaft steht: Carlos Lage. In den 90er-Jahren leitete er die behutsamen Öffnungsschritte, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nötig waren. Das Amt des Sekretärs des Ministerrats übernimmt nun ein Vertrauter Raúl Castros, sein früherer Sekretär und Brigadegeneral José Amado Ricardo Guerra.Annäherung an USAEntmachtet wurde auch der Funktionär, der für Konfrontation mit den USA und Europa stand, Außenminister Pérez Roque. Das Amt übernimmt sein bisheriger Vize, der frühere UN-Botschafter Bruno Ro dríguez Parrilla. Damit unterstreicht Castro sein Streben nach Annäherung an die USA. Symbolischen Wert hat die Entmachtung Roques auch aus einem anderen Grund: Er gilt als Verfechter von Fidel Castros dogmatischem Stil. Ein weiterer prominenter "Fidelista" ist Otto Rivero Torres. Er verlor den Titel des Vizepräsidenten. Seine Aufgaben übernimmt Kommunikations- und Informatikminister Ramiro Val dés. Valdés gilt zwar als Vertrauter Fidel Castros, aber als Experte für Repression. Mehr Repression und mehr Planwirtschaft prägten bereits in den vorigen Monaten die Innenpolitik Raúl Castros. So schränkte er den privaten Handel von Agrarprodukten weiter ein. Und auch die Reform der unproduktiven Landwirtschaft blieb zögerlich.