Mit der Entlassung von Ministerpräsident Michail Fradkow und seiner Regierung ist der Startschuss für die Parlamentswahl im Dezember und vor allem für die Präsidentschaftswahl im März 2008 gefallen. Dieser Schritt war erwartet worden. Der 65-jährige Finanzexperte Viktor Subkow gilt jedoch nur als Übergangslösung. Putins Personalentscheidung für die Fradkow-Nachfolge liefert wenig Anhaltspunkte für den Stabwechsel im Kreml. Putin will sich für die Präsidentschaftswahl offenbar noch nicht in die Karten schauen lassen.
Allgemein wird vermutet, dass der neue Präsident sich ebenso wie Putin im Amt des untergeordneten Regierungschefs bewähren muss. In acht Jahren an der Macht hat Putin seinen Einfluss so weit ausgebaut, dass er praktisch allein die Weichen stellen kann. "Die Duma-Mehrheit würde für jeden von Putin vorgeschlagenen neuen Regierungschef stimmen", sagte der unabhängige Abgeordnete Wladimir Ryschkow. Der Liberale bezeichnete den Regierungswechsel als "eine Farce, die nichts mit Demokratie zu tun hat". Gemäß Umfragen will etwa die Hälfte der Russen im März 2008 jenen Politiker zum Präsidenten wählen, dem Putin sein Vertrauen schenkt.
Doch genau mit dieser Entscheidung lässt sich der Kremlchef weiterhin Zeit. In jüngster Vergangenheit hat Putin mehrfach angedeutet, er wolle die Spannung so lange wie möglich aufrechterhalten und sich selbst nicht durch eine vorschnelle Entscheidung zu einer "lahmen Ente" degradieren. In der Atmosphäre der jüngsten politischen Kraftmeierei galt Putins Vertrauter Sergej Iwanow, der Ex-Verteidigungsminister mit Geheimdiensterfahrung, zuletzt als aussichtsreichster Nachfolger im Kreml.
Und für Paukenschläge ist der Kreml weiter gut: Die Präsentation der stärksten konventionellen Waffe, einer Vakuumbombe mit der Vernichtungskraft einer kleinen Atombombe, ist der jüngste Höhepunkt in einer langen Reihe von Machtdemonstrationen. Zuvor hatten die Russen demonstrativ den Nordpol beansprucht und wie zu Zeiten des Kalten Krieges wieder Langstreckenbomber mit vollständiger Bewaffnung um den Erdball fliegen lassen.
Während der Nato mit neuen Raketen gedroht wird, bekommen kleine Nachbarn wie Estland oder Georgien mit voller Wucht den russischen Zorn zu spüren. Russland liefert Nukleartechnik an den Iran und blockiert eine Kosovo-Lösung im UN-Sicherheitsrat. In dieses Gesamtbild der neuen Konfrontation passt der frühere Geheimdienstgeneral Iwanow nach Einschätzung von Experten deutlich besser als alle anderen Kandidaten.