Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt, denn sie waren bereits von Innenminister Markus Ulbig (CDU) als Beispiel für gelungene Integration gefeiert worden. Anfang April saß der Minister bei einem Besuch in Stollberg bei den Merjans auf dem Sofa. Nun sollen sie das Land verlassen.

Ein Versuch der sächsischen Polizei, die Familie abzuschieben, scheiterte am 19. Mai. Da holte die Polizei Ahmad Merjan, seine schwangere Frau und die vier Kinder in der Nacht ab und brachte sie von Stollberg zum Berliner Flughafen Schönefeld. Dort sollte die Familie den Flieger nach Bulgarien besteigen. Dazu kam es nicht, denn die Familie wehrte sich so heftig, dass die Fluggesellschaft sich weigerte, sie mitzunehmen.

Die Abschiebung ist nach Aktenlage rechtens. "Die Familie hat in Bulgarien Aufenthaltsrecht bekommen", sagt eine Sprecherin des Innenministeriums in Dresden. Die Merjans hatten sich auf ihrer Flucht aus Syrien bis nach Deutschland durchgeschlagen. Mit Zwischenstation im EU-Land Bulgarien, wo sie Asyl beantragt und erhalten haben. Danach machten sie sich auf den Weg nach Deutschland und stellten einen zweiten Asylantrag. Der wurde indes abgelehnt. Die unangekündigte Fahrt zum Flughafen ist aus Sicht der Behörden nötig geworden, weil die Familie mehrere Ausreiseaufforderungen ignoriert hätte: "Jeder nächtlichen Abschiebung gehen mehrere Schreiben voraus." Der Zeitpunkt der Abschiebung richte sich dann auch nach den Flugzeiten - das ist oftmals in der Nacht.

Ein Aufschub oder eine Duldung für eine schwangere Frau ist laut Rechtslage nur möglich, wenn ein Arzt die Frau für nicht reisefähig erklärt. Das war aber bei den Merjans nicht der Fall. Hoffen kann die Familie nun, dass sich die Härtefallkommission beim Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth (CDU) ihres Falls annimmt. Doch Mackenroth zufolge sind die Aussichten auf Erfolg gering: "Da die Familie schon Aufenthaltsrecht in Bulgarien hat, sind wir nicht zuständig."

Für Ulbig ist der Fall allemal ein PR-Desaster mitten im Wahlkampf um das Dresdner Rathaus. Ulbig, der wegen der teilweise chaotischen Unterbringung von Asylbewerbern heftigen Gegenwind bekommt, wollte mit seinem Besuch in Stollberg ein Willkommenszeichen setzen. Nun steht er als kalter Bürokrat da. Sein Ministerium betont, er habe sich damals "vor Ort überzeugen wollen, dass die Leute gut untergebracht werden". Man habe die Leute, mit denen sich der Minister fotografieren ließ "nicht nach Stand des Verfahrens ausgesiebt".