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| 01:04 Uhr

Potsdamer Wissen soll Asien sicherer machen

Potsdam/Berlin.. Etwa 160 000 Menschen kamen nach Schätzungen der Vereinten Nationen bei der Flutkatastrophe in Asien ums Leben. Experten sind sich sicher: Mit einem Frühwarnsystem hätten zehntausende Opfer der bis zu 30 Meter hohen Tsunami-Wellen, die nach Seebeben entstehen, gerettet werden können. Das Know-how für dieses Warnsystem gibt es bereits: Das Potsdamer Geoforschungszentrum (GFZ) soll jetzt im Auftrag des Bundesforschungsministeriums ein Konzept für den Indischen Ozean entwickeln.

Die Idee ist einfach: Messstationen im Meer registrieren Seebeben oder den erhöhten Wasserdruck, der durch die Riesenwellen entsteht. Die Daten werden über Satelliten an Alarmzentralen übertragen. Von dort können die Warnungen per Internet, E-Mail und SMS an alle angeschlossenen Nutzer gesandt werden. Das können neben Behörden auch Hotels und Privatpersonen sein. Dies alles soll nahezu in Echtzeit geschehen, denn entscheidend ist der Zeitfaktor. Tsunamis breiten sich mit bis zu 1000 Kilometern pro Stunde aus. Je früher Alarm gegeben wird, desto mehr Zeit bleibt den Menschen zur Flucht.

Bereits 50 Messstationen
Das Geoforschungszentrum schätzt, dass das System in ein bis drei Jahren einsatzbereit sein könnte. Die Forscher können dabei auf die Erfahrungen mit ihrem seismographischen Netz von rund 50 Erdbeben-Messstationen zurückgreifen, das das GFZ mit anderen Institutionen zusammen betreibt. Im Indischen Ozean gebe es aber noch große Lücken, hieß es.
Für das GFZ ist es ein großes Projekt. 40 Millionen Euro hat Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) dafür bereitgestellt. Das GFZ, das zu 90 Prozent vom Bulmahn-Ministerium und zu zehn Prozent vom Wissenschaftsministerium Brandenburgs getragen wird, hat einen Jahresetat von rund 45 Millionen Euro. Die Stiftung mit mehr als 300 Wissenschaftlern war 1992 gegründet worden.

Hohe Leistungsfähigkeit
Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU), seit Jahresbeginn Präsidentin der Kultusministerkonferenz, begrüßte die Entscheidung. Der Zuschlag für die Potsdamer belege „die hohe Leistungsfähigkeit des Forschungszentrums, das auch auf dem Gebiet der Erdbebenforschung eine hohe internationale Reputation genießt“, sagte Wanka der RUNDSCHAU. Die Potsdamer Forscher haben das weltweit schnellste Erdbebenwarn-System entwickelt. Vor diesem Hintergrund rechnet sich die Bundesregierung gute Chancen aus, dass Deutschland tatsächlich eine führende Rolle beim Aufbau des Tsunami-Warnsystems in Südostasien einnehmen kann, auf das sich die jüngste internationale Fluthilfe-Geberkonferenz in Jakarta vor wenigen Tagen grundsätzlich verständigt hatte.
Nach Ansicht der Potsdamer Forscher ist die Seebebengefahr im Indischen Ozean weiterhin hoch. Sie schätzen die Gesamtkosten für das dortige Frühwarnsystem auf 100 Millionen Euro. Allerdings warnt der Seismologe Professor Jochen Zschau auch vor übertriebenen Erwartungen. Man könne nicht auf einen Schlag ein perfekt funktionierendes Warnsystem installieren. Im Pazifik habe dies mehr als 50 Jahre gedauert. (dpa/Eig. Ber./tm/tb)