Die Erderwärmung könnte nach Ansicht des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber zu Konflikten bis hin zu Kriegen führen. "Wenn sich die Erde tatsächlich um vier, fünf Grad erwärmt, wird die Welt, wie wir sie kennen, aufhören zu existieren", erklärt der Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung am Freitag in New York. "Wenn der Meeresspiegel steigt, wird Siedlungsraum ebenso knapper wie Wasser und Lebensmittel. Verteilungskämpfe um den Rest wären dann die logische Folge", sagte Schellnhuber.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte den Potsdamer Wissenschaftler als einzigen Experten eingeladen, der am Freitagabend in einer informellen Sitzung des Sicherheitsrates zum Klimawandel sprechen sollte.

"Bislang führt Wassermangel eher zu Kooperationen", sagte er. "Aber wenn der Wasserspiegel fünf Meter steigt, wenn sich das Monsunsystem völlig verändert und El Niño stärker wird, sieht es anders aus. Es ist wie bei einem Schiffsunglück, bei dem alle anfangs kooperativ sind. Wenn klar wird, dass der Platz im Rettungsboot nicht für alle reicht, beginnt das Hauen und Stechen." Das sei sicherheitspolitisch völliges Neuland. Weil aber 90 Prozent des Trinkwassers für die Landwirtschaft verwendet würden, bedeute die Knappheit automatisch eine Knappheit an Lebensmitteln. "Indien hat bald die größte Bevölkerung der Erde. Wenn es dann zwei, drei Missernten gibt, ist das eine Belastung, die die Welt nicht einfach wegsteckt." Auch könnten Tropenkrankheiten nach Europa vordringen. Es sei "eine besondere Tragik", dass der Klimawandel zuerst tropische Regionen und damit vor allem Entwicklungsländer treffe, sagte Schellnhuber. "Das sind nicht nur ohnehin die Ärmsten. Manch einer in den Industrieländern könnte glauben, dass es ihn nichts angehe." Der Klimawandel sei aber global: "Wer das Problem aussitzen will, muss schon einen hohen Zaun um sein Land bauen." Er habe aber den Eindruck, dass es eine "neue Ernsthaftigkeit" gebe: "Die politischen Führer sind besonnener geworden. Und wenn sich jetzt der mächtige Sicherheitsrat mit dem Thema befasst, bedeutet das enormen Rückenwind."