Von Benjamin Lassiwe

Königswetter hatten Willem-Alexander und Máxima nicht mitgebracht. Es regnete in Strömen, als der König der Niederlande und seine Gattin vor der Potsdamer Staatskanzlei vorfuhren. Doch einige Unentwegte hielt selbst das nicht ab: Gut 100 Schaulustige hatten sich auf dem Gelände an der Heinrich-Mann-Allee versammelt, um den Monarchen und seine aus Argentinien stammende Gattin bei ihrem ersten Besuch in Brandenburg zu begrüßen.

Mit holländischen Flaggen und oranger Kleidung hofften sie auf ein gutes Foto mit dem Königspaar. Und vor der Ausdauer der Brandenburger hat Willem-Alexander scheinbar Respekt. „Danke, dass Sie gekommen sind“, ruft er den Schaulustigen zu. Und mit Blick auf das Wetter: „Alles Gute kommt von oben!“.

Routiniert verschwindet er danach in der Staatskanzlei, wo ihm Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der von seiner Gattin Susanne begleitet wurde, das Brandenburger Kabinett vorstellte. Denn während für Brandenburg selbst der Arbeitsbesuch eines ausländischen Staatsoberhauptes immer eine Ausnahmesituation ist, sind Besuche in den deutschen Bundesländern für den König der Niederlande eigentlich nichts Besonders mehr:

Stets reist das Staatsoberhaupt dabei mit großen Delegationen: Unternehmer, Landwirte und Wissenschaftler begleiteten auch dieses Mal Willem-Alexander und Máxima. Die Aufmerksamkeit für die gekrönten Häupter dient dem Nachbarland dabei als Türöffner: Wenn der König unterwegs ist, geht es um handfeste Kooperationen, um Zusammenarbeit in Wirtschaft und Forschung. Zum Beispiel im Studio Babelsberg, wo sich das Königspaar über Studios für Spezialeffekte und moderne Medientechnik informierte. Oder im Potsdamer Wissenschaftspark Albert Einstein: Dort stand eine Begegnung mit Vertretern des Geoforschungszentrums Potsdam und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung auf dem Programm. Und die Freie Universität Amsterdam und die Technische Universtät Delft unterzeichneten mit den Potsdamer Institutionen Kooperationsvereinbarungen.

„So sind wir Niederländer: Wo wir auch hinkommen, wollen wir Geschäfte miteinander machen“, sagte die Delegationsleiterin Barbara Wolfensberger. Für einen anderen Niederländer dagegen stand am Mittwoch etwas ganz anderes im Mittelpunkt: Der elfjährige Max Jonkeren hatte just am 22. Mai Geburtstag. Mit seiner Mutter, einer Fernsehredakteurin, war er in den Filmpark gekommen, gekleidet natürlich in ein rot-weiß-blaues Poloshirt. Und tatsächlich gelang es beiden, den niederländischen König für ein Foto abzufangen. „Er hat mir auf Holländisch gefeliciteered, also zum Geburtstag gratuliert“, sagte Max stolz, als er hinterher den versammelten Pressevertretern sein Handyfoto mit dem König zeigte.

Und zum Abschluss Sanssouci. Der Ort in Brandenburg, der so königlich ist wie kaum ein zweiter. Und der am Mittwoch ein bisschen spüren ließ, wie es gewesen sein musste, als Friedrich der Große dort einst Hof hielt. Eine große Tafel war in einem Saal aufgebaut, denn zum Ende des Besuchs nahmen Willem-Alexander und Máxima dort mit ausgewählten Gästen ein Mittagessen ein, selbstverständlich typisch brandenburgisch: Es gab Zander und Spargel. Natürlich ohne Presse: Denn zur Hofetikette gehörte es nun einmal, dass der König nicht beim Essen fotografiert wird. Doch dann öffneten sich die Flügeltüren des Saales, und das Königspaar trat zu einem Abschlussstatement vor die Kameras der Journalisten. Vier Fragen durften gestellt werden, zwei von Journalisten aus Deutschland, zwei von Kollegen aus den Niederlanden, und alle mussten vorher bei der Botschaft eingereicht werden.

Eine „unglaublich reiche Erfahrung“ sei der Besuch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gewesen, sagte Willem-Alexander nicht ganz überraschend. Doch wenige Tage vor der Europawahl wird es dann doch noch eine Spur politisch:

Denn das Staatsoberhaupt der Niederlande betont die Bedeutung der grenzüberschreitenden Kooperation: „Die großen Probleme der Welt, den Klimwandel oder die Energiewende können wir nunmal nicht alleine lösen. Das müssen wir mit unseren Nachbarn und Freunden zusammen machen.“ Denn schließlich hätten die Menschen nur diese eine Welt.