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Potsdam gibt 1,2 Millionen Euro für Reformationsfeiern

Potsdam. Durch das Land Brandenburg ist Martin Luther im Grunde nur durchgereist. Wirkliche Lutherstätten gibt es hierzulande nicht. Benjamin Lassiwe/iwe1

Doch das Reformationsjubiläum ist mit der Mark Brandenburg trotzdem eng verbunden: Denn es war in Jüterbog, wo der Legende nach der Dominikanermönch Johann Tetzel seine Ablasspredigten hielt, die für Luther dann den letzten Anstoß gaben, seine berühmten 95 Thesen gegen den Ablass zu veröffentlichen.

Die "Stadt des Anstoßes"

Entsprechend wird sich die in letzter Zeit vor allem durch rechtsradikale Äußerungen ihres Bürgermeisters in die Schlagzeilen geratene Stadt Jüterbog im kommenden Jahr als "Stadt des Anstoßes der Reformation" präsentieren, sagte gestern der Sachgebietsleiter Kultur der Stadt Jüterbog, Jens Katterwe, in Potsdam. In der Stadt werde es die Sonderausstellung "Tetzel-Ablass-Fegefeuer" geben, zudem ist ein großes Stadtfest unter dem Motto "Tetzel kommt" geplant. Und auch in Schwedt, wo ein Luthermusical aufgeführt werden soll, und in Frankfurt (Oder), wo die Viadrina einst das geistige Zentrum von Luthers Gegnern, das "Anti-Wittenberg", bildete, wird es große Ausstellungen zum Thema Reformation geben. Nicht zuletzt steht auch das Brandenburger Kulturlandjahr 2017 unter dem Motto "Wort und Wirkung. Luther und die Reformation in Brandenburg".

Auch persönlich bewegt

Seitens des Landes werden die Projekte zum Reformationsjubiläum mit rund 1,2 Millionen Euro unterstützt, sagte Kultusministerin Martina Münch (SPD) gestern in Potsdam. Die engagierte Katholikin bekannte, dass sie das Jubiläumsjahr auch persönlich bewege. Denn es böte eine Chance, darüber nachzudenken, welche Rolle Kirche und Religion heute in der Gesellschaft spielten. Eine wichtige Plattform dafür sei unter anderem der vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Brandenburg stattfindende Kirchentag, bei dem losgelöst vom tagesaktuellen Hintergrund viele zivilgesellschaftliche und politische Fragen diskutiert werden könnten. Und neben Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wird auch Martina Münch an hervorgehobener Stelle des Kirchentags mitwirken und dort eine Bibelarbeit halten.