Im Dauerstreit um den Neubau einer jüdischen Synagoge in Potsdam scheint ein Durchbruch erreicht: Am Dienstag gaben Brandenburgs Kultusministerin Sabine Kunst (SPD) und Staatssekretär Martin Gorholt (SPD) bekannt, dass das Land Brandenburg bei den Neubauplänen künftig mit der "Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland" zusammenarbeiten werde. Diese seit 1917 bestehende Einrichtung ist mit Caritas und Diakonie bei den christlichen Kirchen vergleichbar: Sie betreibt bundesweit Sozialeinrichtungen, wie etwa Seniorenheime oder Beratungsstellen, und ist die Dachorganisation der Wohlfahrtspflege für rund 100 jüdische Gemeinden in Deutschland.

Mit dem neuen Partner haben Kunst und Gorholt die jahrelangen, ergebnislosen Verhandlungen des Landes mit den mittlerweile fünf in Potsdam ansässigen, tief zerstrittenen jüdischen Gemeinden beenden können.

Bereits 2005 hatte das Land im Staatsvertrag mit dem Jüdischen Landesverband festgelegt, dass das Land den Bau einer Synagoge in Potsdam finanzieren werde. Als 2009 ein Architektenwettbewerb für den Neubau stattfand, gewann der Berliner Architekt Jost Haberland - doch zwei der drei Potsdamer Gemeinden protestierten gegen den Entwurf.

Obwohl Gorholt die Gespräche mit den jüdischen Gemeinden an sich zog, gelang es dem Land anschließend nicht, die Fronten zu beruhigen. Weder über die Ausgestaltung des Gebäudes noch über dessen künftige Nutzung wurde man sich einig. Inzwischen haben sogar die Cottbuser die Landeshauptstadt überholt: Mit der ehemaligen Schlosskirche wurde im vergangenen Jahr in der Lausitz die erste jüdische Synagoge des Landes Brandenburg in Betrieb genommen.

Künftig jedenfalls wird die "Zentralwohlfahrtsstelle der Juden" die Debatten mit den Potsdamer Gemeinden führen müssen. Wie Kunst betonte, werde der jüdische Wohlfahrtsverband in Sachen Synagogenbau der einzige Partner des Landes - die Gemeinden wiederum müssten sich an die Wohlfahrtsstelle halten.

Das Land werde weiterhin das Grundstück und das Gebäude besitzen und der Zentralwohlfahrtsstelle unentgeltlich zur Nutzung überlassen. Die Wohlfahrtsstelle wiederum werde "das Zentrum als Trägerin betreiben und dafür sorgen, dass es zu religiösen, sozialen und kulturellen Zwecken der jüdischen Gemeinschaft in Potsdam genutzt werden kann." Für den Bau seien bereits seit mehreren Jahren rund fünf Millionen Euro im Landeshaushalt vorgesehen. Zwischen 300 000 und 500 000 Euro stünden als jährliche Betriebskosten zur Verfügung. Geplant sei, dass sich der Neubau weiterhin am Entwurf des Architekten Haberland orientieren werde.

Der Vorstandsvorsitzende der Zentralwohlfahrtsstelle und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, erklärte, dass seine Institution bislang zu zwei jüdischen Gemeinden in Potsdam, der Synagogengemeinde und der Jüdischen Gemeinde Potsdam, gute Arbeitskontakte habe. Diese beiden Gemeinden hätten auch ihre grundsätzliche Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit erklärt.

"Wir werden auch versuchen, mit der Gesetzestreuen Jüdischen Gemeinde Potsdam und der neu gegründeten Mizwah-Gemeinde in Kontakt zu treten", sagte Lehrer. Er sei guten Mutes, dass es gelingen könnte, im Gespräch mit den Gemeinden sachlich zu bleiben und alle Emotionen hinten anzustellen. Zudem wolle man keine der Potsdamer Gemeinden von der Nutzung des Zentrums ausschließen. Nach Angaben Lehrers könnte das "Jüdische Zentrum" in Potsdam bis zum Spätherbst 2017 seine Arbeit aufnehmen. Er hoffe auf ein Zentrum eines "florierenden jüdischen Lebens" in Potsdam.