Die Laptops stehen auf den Bartischen, aus den Lautsprechern erklingt schlechter Schlager. Kollegen recherchieren im Internet, machen Witze, diskutieren über die politische Lage im Land. Und immer wieder blickt man gespannt auf die Aufzüge, wo ja jederzeit jemand Politisches herauskommen könnte. So ist das, wenn in Potsdam das große Herumgelungere angesagt ist. Weil oben, im vierten Stock eines Hotels direkt an der Havel die Sondierungsgespräche zwischen SPD und CDU stattfinden, sitzt ein gutes Dutzend Journalisten im Erdgeschoss in einer Bar.

Würde diese Kolumne ein Teil eines Lehrbuchs für angehende Journalisten, müsste man nun Aufwand und Nutzen vergleichen. Und man würde zu dem Ergebnis kommen, dass man mit relativ viel zeitlichem Aufwand relativ wenig Ergebnisse erzielt. Vielleicht einmal abgesehen von dem Satz „Wir wollen eine andere Politik im Land“, ausgesprochen in mehrfachen Variationen und nach so gut wie jedem Sondierungsgespräch. Aber diese Kolumne ist zum Glück kein Lehrbuch für angehende Journalisten. So kann sie davon berichten, wie Kollegen am Montagabend während der Warterei auf die Ergebnisse des CDU-Parteivorstands kurzerhand den Kicker in der CDU-Zentrale für ein spontanes Match instrumentalisierten. Wie der Adrenalinspiegel steigt, wenn ein Sondierer für eine kurze Zigarette den Fahrstuhl verlässt, und wie beiläufige Bemerkungen wie „Die Stimmung ist gut“ die Stimmung unter den Medienvertretern hebt. Wie man versucht, spät am Abend durch ein erleuchtetes Hoffenster einen Blick auf die versammelte Mannschaft zu erhaschen. Oder wie ein allseits bekannter und beliebter Kollege die ganze Zeit laut erklärt, dass man das, was man hier macht, sowieso niemandem erklären könne – und er ohnehin ja sowieso eine viel, viel bessere Story habe. Nicht, dass das alles irgendjemanden wirklich weiterbringt. Aber irgendwie gehört es zu dem dazu, was man in solchen Tagen wohl so macht. Es ist Sondierungszeit in Potsdam.