Wenn ein neues Parlament zusammentritt, gibt es manche Anlaufschwierigkeiten. So war das auch am Mittwoch, als der Brandenburger Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkam. Ein Problem bereitete beispielsweise dieses Zeichen, „/“, das den meisten Menschen als „Schrägstrich“ bekannt sein dürfte. Es taucht im Landtagsgeschäft häufiger auf, etwa bei Drucksachennummern. Dort trennt es die Wahlperiode von der eigentlichen Nummer des Dokuments, also beispielsweise in der „Drucksache 7/1“, ausgesprochen: „Drucksache sieben Schrägstrich eins“, die die erste Drucksache der siebenten Legislaturperiode des Landtags ist.

Alterspräsidentin Marianne Spring-Räumschüssel (AfD) indes kannte offenbar einen anderen Namen für das Satzzeichen. Sie las bei ihrer Eröffnung der Landtagssitzung die Drucksachennummern immer wie folgt vor: „Drucksache sieben Schräger eins.“ Welcher Dialekt das war? Keine Ahnung, aber am Mittwoch sollte es schräg bleiben. Denn um den Schrägstrich, Verzeihung: Natürlich den „Schräger“, in einer abgewandelten Form ging es auch beim Namensaufruf. Denn in vielen Sprachen werden ja Akzente ebenfalls durch kleine, schräg geneigte Striche oberhalb der Buchstaben markiert. Und die Schriftführer, die am Mittwoch im Landtag Dienst taten, mochten diese Akzente. Selbst Thomas Domres (Linke), dessen Nachname normalerweise so ausgesprochen wird, wie er geschrieben wird, bekam einen Akzent verpasst.

Den ganzen Tag über hieß er im Landtag nur noch „Domré“. Vom neu gewählten Grünen-Abgeordneten Thomas von Gizycki, dessen Nachname aus einer alten polnischen Adelsfamilie stammt und auf mindestens drei verschiedene Art und Weisen aufgerufen wurde, einmal ganz zu schweigen. . .

Aber solche Anlaufschwierigkeiten sind ja auch normal, wenn ein Parlament das erste Mal zusammenkommt. Spätestens in der nächsten Plenarsitzung wird man sich auf einheitliche Ausspracheregelungen geeinigt haben – und im Notfall gibt es sicher irgendwen, der dazu einen Antrag stellt. Das Parlament wird das schon lösen.