Der Prunkbau steht, doch in den Tagen und Wochen der Spionage-Affäre ist das Imperium von Ron Dennis ins Wanken geraten.

Kein Wunder also, dass der sonst so gut wie nie die Contenance verlierende 60-Jährige derzeit angeschlagen scheint. Die Tränen in den Armen seiner Frau Lisa nach dem Doppel-Erfolg der Silberpfeile im Ferrari-Land am vergangenen Sonntag zeigten ein anderes, seltener gesehenes Gesicht des eher unterkühlt-korrekten Briten. Er hat es vom einfachen Mechaniker zum mächtigen Manager und erfolgreichsten Formel-1-Teamchef aller Zeiten gebracht.

Dem Motorsport ist der Brite - er feierte am 1. Juni seinen 60. Geburtstag - seit über vier Jahrzehnten verfallen. Schraubenschlüssel und Radmuttern tauschte er im Eiltempo gegen Kugelschreiber und Strategie-Papiere. Seit 1980 ist er Hauptverantwortlicher von McLaren. 16 WM-Titel hat er bereits gewonnen. Mit Automobilhersteller Mercedes als Motorenlieferant arbeitet er seit 1995 zusammen. Nun steht die Motorsport-Ehe vor der großen Bewährungsprobe.

Bekannt ist Dennis für seinen Ehrgeiz, berühmt für seine Disziplin und berüchtigt für seinen Konfrontationskurs. Er ist ein kühl kalkulierender Stratege. Vor dem ersten Spionage-Tribunal vor dem Weltrat des Automobil-Weltverbandes FIA gab es einen triumphalen Zweifachsieg in Monaco, dem drei Tage später der Freispruch am Grünen Tisch folgte.

131 Grand-Prix-Siege kann der Brite, der 1966 als Mechaniker für Jochen Rindt in die Formel 1 einstieg und anschließend mit einem eigenen Formel-2-Team in den 70er Jahren nicht den erhofften Erfolg hatte, als Teamchef von McLaren vorweisen. Neun Mal holte sich einer seiner Fahrer die WM-Krone, sieben Mal gewann sein Team den Konstrukteurstitel.

Mit dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso hat Dennis zwar Probleme, trotzdem brachte die Verpflichtung des Spaniers den Rennstall voran. Alonsos Teamkollege Lewis Hamilton, der „Ziehsohn“ von Dennis, ist WM-Spitzenreiter. Der Chef hatte sogar die beiden Superstars Ayrton Senna (Brasilien) und Alain Prost (Frankreich) Ende der 80er Jahre unter einen Hut gebracht. Zusammen fuhr das Duo unter Dennis zwei Drittel der Fahrer-Titel ein. Zuvor hatte ihm Niki Lauda den ersten Titel (1984) beschert. Der bis dato letzte Weltmeister für McLaren-Mercedes war Mika Häkkinen (Finnland) 1998 und 1999.