Das war typisch für den Heeresgeneral, zu dessen Markenzeichen stets die unerschütterliche Überzeugung gehörte, dass man alle Ziele erreichen kann, wenn man sie ohne Zaudern mit aller Kraft ansteuert. Dieses überaus robuste Selbstvertrauen gehörte nach Angaben aus Washingtoner Regierungskreisen zu den Hauptgründen von Präsident George W. Bush, seine Truppenaufstockung im Irak mit der Berufung dieses Mannes zum Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Irak zu verknüpfen.

Petraeus wurde damit zum Hoffnungsträger für Bush, zu einer Art Talisman, wie es die „New York Times“ kürzlich formulierte. Experten weisen darauf hin, dass seit langem kaum ein Tag vergangen sei, an dem Bush nicht den Namen Petraeus oder „Dave“ erwähnt habe. Sogar Kritiker der Irak-Strategie sagten bei der Berufung des Generals, der als besonderer Experte bei der Bekämpfung von Aufständischen gilt und darüber auch ein Handbuch für das Heer geschrieben hat: „Wenn jemand überhaupt das Ruder im Irak herumreißen kann, dann dieser Mann.“

Tatsächlich war Petraeus, der an der Universität Princeton mit einer Arbeit über die „Lehren für das Heer aus dem Vietnamkrieg“ promovierte, im Irak-Krieg von Anfang an dabei. Als Kommandeur führte er die 1. Luftlandedivision bis Bagdad. Dann übernahm er die Kontrolle im Nordirak mit der Stadt Mossul und leitete von 2004 bis 2005 die Ausbildung der irakischen Armee.

Als er am 10. Februar das Oberkommando über die US-Truppen im Irak übernahm, nannten viele Militärexperten dies die „aussichtsloseste Aufgabe seit der von General Creighton Abrams in Vietnam“. Der als aggressiver innovativer Denker geltende Petraeus sagt so etwas nicht. Aber wie es in seiner Umgebung heißt, hat die Irak-Bürde sein einst „pulsierendes Selbstvertrauen“ im Laufe der vergangenen Monate gedämpft. Er sei deutlich zurückhaltender geworden.