WASG-Sprecher Enrico Stange sagte gestern, er gehe nicht davon aus, dass die NPD "noch jemanden an der Angel" habe und in seinem Landesverband "ein zweiter Schläfer unterwegs" sei. Die Linkspartei rechnet unterdessen mit keinen negativen Auswirkungen der Personalie Andreas Wagner auf dem Weg zur gemeinsamen Partei.
Ihr Landtagsfraktionschef Peter Porsch warnte die WASG zugleich mit Blick auf die Landtagswahlen im Herbst in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern vor "politischem Harakiri". Er setze darauf, dass der WASG-Bundesparteitag am Wochenende auf die Landesverbände in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern so einwirke, dass sie am 17. September nicht konkurrierend zur Linkspartei antreten. Viele Menschen hätten der Linkspartei bei der Bundestagswahl 2005 ihre Stimme als Vorschuss für die angekündigte Fusion mit der WASG gegeben. Es wäre "ein Affront für die Wähler, wenn das Zusammengehen nun scheitert".
Bei der WASG sieht Porsch indes ein "Legitimationsproblem". Deren Delegierte seien von der Parteibasis zu einem Zeitpunkt bestimmt worden, als die Wahlalternative noch wesentlich weniger Mitglieder gehabt habe. Die inzwischen Hinzugekommenen stünden in der Mehrheit dem Neubildungsprozess positiv gegenüber. Fraglich sei, ob ihre Haltung vom Parteitag repräsentiert werde.
Stange forderte unterdessen WASG und Linkspartei auf, in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wieder ins Gespräch zu kommen. "Konkurrenz spaltet, Kooperation und inhaltlicher Streit verbindet", heißt es in einem gemeinsamen Aufruf mit Linksparteichefin Cornelia Ernst und WASG-Bundesvorstandsmitglied Axel Troost.
Das bisherige WASG-Bundesvorstandsmitglied Wagner kam dem drohenden Parteiausschluss unterdessen mit seinem Austritt zuvor. Der neue sozialpolitische Berater der Landtagsfraktion der rechtsextremen NPD in Sachsen hat nach eigenen Angaben gestern einen entsprechenden Brief an den WASG-Bundesvorstand abgesandt. Wagner warf unter anderem Axel Troost ein parteiintern diktatorisches Verhalten vor. (ddp/ksi)