Von 1990 bis 1999 war Hildebrandt Ministerin für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Frauen im Stolpe-Kabinett. Ihre zupackende, burschikose Art machte ihr viele Freunde in der Mark. "Mutter Courage von Brandenburg" wurde sie zuweilen genannt. "Sie hat den Menschen die ungeschminkte Wahrheit gesagt und sie zugleich zu eigenem Handeln aufgerüttelt", sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). "So gab sie Orientierung, Halt und Identität in einer Zeit, als sich Gewissheiten täglich in Luft auflösten." Doch auch heute brechen Traditionen weg, lösen sich Identitäten in Luft auf. "Wir leben in einer gefährlichen Zeit", sagt Manfred Stolpe. In Deutschland gebe es eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, der Flüchtlingsstrom treffe auf verunsicherte Menschen. Gemeinsam mit Hildebrandts Tochter Frauke und der Potsdamer SPD-Bundestagskandidatin Manja Schüle nahm Stolpe den 15. Todestag zum Anlass, um auf einer Pressekonferenz an die SPD-Politikerin zu erinnern. Und den heutigen Politikern einige Tugenden der früheren Ministerin ins Gedächtnis zu rufen. "Regine Hildebrandts Kennzeichen waren die Solidarität und die Fähigkeit, auf Leute hören und klar reden zu können", sagt Stolpe. "Handeln, nicht abwarten - das war Regine Hildebrandt." Er selbst könne heute nur hoffen, "dass die Politik weiter dem Volk aufs Maul schaut".

Ein Dorn im Auge wäre Hildebrandt heute wohl der wachsende Rechtspopulismus. "Wenn meine Mutter jemanden getroffen hätte, der einen anderen Menschen herablassend behandelt, hätte sie Stop gerufen", sagt Frauke Hildebrandt. Sie hätte denen klar widersprochen, die "menschenfeindlich und rassistisch auftreten." Heute sieht die Tochter der beliebten SPD-Politikerin die Entwicklung in Brandenburg mit Sorge. In ihrem Heimatdorf im Oderbruch verbreite selbst der evangelische Pfarrer rechtspopulistische Parolen. Die eigene Mutter sei zu ihren Lebzeiten auch als Populistin bezeichnet worden, sagt Frauke Hildebrandt. Aber sie habe nie ausgegrenzt, nie das Gefühl vermittelt, sie sei die einzige legitime Vertreterin des Volkes. "Sie war populär, nicht populistisch", sagt Manja Schüle. "Regine Hildebrandt hätte zwischen den Wortführern und den Verführten differenziert", sagt Stolpe. Wie man aus seiner Sicht und im Blick auf das Erbe Hildebrandts mit den Rechtspopulisten umgehen soll? Manfred Stolpe fasst es preußisch-nüchtern in einem Wort zusammen. "Attacke!" Vor allem anderen jedenfalls solle die Brandenburger Politik "nicht stillhalten und vor allem nicht abwarten, ob sich das eventuell von selbst verläuft".