Bei zwei Autobombenanschlägen auf einen polnischen Stützpunkt im Irak sind gestern Morgen in Hillah mindestens elf Iraker, sowie die zwei Attentäter getötet worden. Rund 40 weitere Menschen wurden nach Krankenhausangaben verletzt, als zwei mit Sprengstoff präparierte Autos beim polnischen Lager "Camp Charlie" in die Luft flogen. Unter den Verletzten seien auch zwölf Soldaten der Koalition, sagte Generalstabssprecher Zdzislaw Gnatowski in Warschau.
Die beiden Autos seien sehr früh beim Stützpunkt detoniert, sagte Gnatowski. Mongolische Wachsoldaten hätten einen der Wagen noch unter Feuer genommen und so verhindert, dass es seine Fahrt bis zur Mauer des Lagers fortsetzte; der Fahrer wurde erschossen. Das zweite Fahrzeug sei samt Fahrer nahe der Betonmauer explodiert.
In den benachbarten Häusern wurden duzende irakische Zivilisten verletzt. Der Polizeichef von Hillah sprach von elf zerstörten Häusern. Ein polnischer Armeesprecher sagte, eines der Autos habe rund 700 Kilogramm Sprengstoff an Bord gehabt.
Bei den verletzten Koalitionssoldaten handele es sich um zehn Polen, einen Ungarn und einen US-Soldaten, sagte Gnatowski weiter. Von einem der getöteten Zivilisten seien nur noch Hüfte und Beine übrig, sagte Krankenhauschef Mohammed el Tai. Auch ein zwölfjähriges Mädchen sei ums Leben gekommen, drei weitere verletzte Kinder, unter ihnen ein sechs Monate altes Baby, hätten jeweils Mutter und Vater verloren.
Hillah liegt rund 100 Kilometer südlich von Bagdad. Polen führt seit Anfang September in fünf irakischen Provinzen das Kommando über eine 9000 Mann starke multinationale Truppe; Polen stellt etwa 2400 Soldaten im Irak, von denen bislang einer getötet wurde.
In der Vergangenheit war die Truppe bereits mehrmals Ziel von Angriffen. Am 27. Dezember waren ebenfalls bei einem Doppelanschlag mit Autobomben in Kerbela 19 Menschen getötet worden, darunter sieben Soldaten der Koalitionstruppen; damals wurden rund 200 weitere Menschen verletzt.
Nach seiner Ablehnung des Islam als Grundlage für eine künftige Gesetzgebung, schlägt US-Zivilverwalter Paul Bremer unterdessen scharfe Kritik der Schiitenführung im Irak entgegen. "Das irakische Volk ist allein berechtigt, sein Veto gegen jede Gesetzgebung einzulegen", sagte Scheich Abdel Mahdi el Kerbelai, ein Vertreter des mächtigen Schiitenführers Großayatollah Ali Sistani. "Niemand hat das Recht in die Verfassung einzugreifen."
Der Schiitenführer reagierte damit auf die Ankündigung des amerikansichen Irak-Verwalters zu Wochenbeginn, er werde keine Verfassung hinnehmen, die den Islam "zur Hauptquelle des Rechts" in Irak mache. Andernfalls werde er sein Veto einlegen. Die Iraker seien nicht verpflichtet, "von außen importierte Konzepte" anzunehmen, betonte Scheich Sadreddin el Kubbandschi vom Obersten Rat der Islamischen Revolution. (dpa/uk)