Zehn Tage lang hatte es offiziell immer geheißen, die Eliteeinheiten, die das Land den Amerikanern zu Hilfe gesandt hatte, würden nicht ins Kampfgeschehen eingreifen. 69 Prozent der Polen sind laut Umfragen des Instituts Obop gegen einen Einsatz ihrer Soldaten im Irak. Ein Mitwirken der Polen hinter der Front, als Sanitäter etwa, begrüßen aber 58 Prozent der Befragten.

Keine Partei gegen den Krieg
Doch weder Szmajdzinski noch Premierminister Leszek Miller lassen sich davon beeindrucken. "Wir haben ein paar erfolgreiche Aktionen ausgeführt und wurden dafür ausdrücklich gelobt", frohlockt Miller. Die Regierung könne sich eine derart eklatante Missachtung des Volkswillens leisten, weil keine namhafte Partei Position gegen eine polnische Kriegsbeteiligung ergreife, sagt der Ex-Botschafter Polens in Berlin, Janusz Reiter. Außer der national-katholischen "Polnischen Familienliga" und dem populistischen Bauernführer Andrzej Lepper hat tatsächlich niemand Widerspruch angemeldet.
Und selbst am letzten Wochenende fand sich nur ein kleines Häufchen Anarchisten zum Protest vor der US-Botschaft in Warschau ein. Offiziell befindet sich Polen auch nicht im Kriegszustand mit dem Irak. Die Interpretation von Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz von vorletzter Woche, wonach die Uno-Resolution 1441 einen Kriegseinsatz im Irak ermögliche und die polnische Regierung niemandem den Krieg erklärt habe, hat sich inzwischen auf breiter Front durchgesetzt. So sprach auch der Präsident Aleksander Kwasniewski zu den 74 Chemieabwehrsoldaten aus dem zentralpolnischen Städtchen Brodnica, als er sie am Freitag verabschiedete. Wohin sie geflogen sind, hat dem polnischen Volk keiner offiziell gesagt. "Wir sind konsequent und berichten nicht über den Einsatz unserer Spezialtruppen", begründete Szmajdzinski vor der Presse. Inoffiziell wird Jordanien genannt. Nachgedacht wird im Verteidigungsministerium bereits ü ;ber ein neues polnisches Kontingent, das in die Türkei verlegt würde. Nur für eine Friedensmission nach dem Krieg habe Polen leider kein Geld, bedauert Szmajdzinski.

Mandat für sechs Monate
Präsident Kwasniewski hatte dem Antrag der Regierung auf eine Entsendung von Eliteeinheiten in die Golfregion bereits vor zwei Wochen stattgegeben. Polen, das den harten Kurs der USA gegenüber dem Irak von Anfang an unterstützt hat, will die Amerikaner und Briten mit rund 200 Elitesoldaten "logistisch" unterstützen. Ihr Mandat ist einstweilen auf sechs Monate begrenzt. Kwasniewski, der gleichzeitig polnischer Oberbefehlshaber ist bediente sich in seiner Begründung der historischen Erfahrung Polens. "Es gibt Momente in der Geschichte, in denen man kämpfen muss, um den Frieden zu sichern", sagte Kwasniewski und erinnerte an den Streit um Danzig Ende der 30er-Jahre.