Da s Mädchen fühlt sich verfolgt. Als dann auch noch Gewaltandrohungen im Internet auftauchen, die dem jungen Mann zugeordnet werden, verschärft sich die Situation. Am gestrigen Donnerstagmorgen dann der Höhepunkt. An einer Giebelwand des Schulkomplexes steht der Vorname des Mädchens geschrieben. Und sie, so steht es dort mit Farbe, "wird sterben. Tod!" Später stellt sich der Mann der Polizei, will therapeutische Hilfe.

Begonnen hat alles bereits vor etwa 14 Tagen. Der 19-Jährige verwindet die Trennung nicht, stellt der Schülerin der 11. Klasse nach, verfolgt sie fast auf Schritt und Tritt. Die junge Dame sucht den Schutz der Jugendlichen in ihrem Kurs. Dann eskaliert die Situation. Es kommt zur Rangelei von Mitschülern, die das Mädchen schützen wollen, und dem geschassten Freund. Verbale Todesdrohungen sollen dabei gefallen sein.

Im Internet ziehen die Vorkommnisse ihre Kreise. Zwischenzeitlicher Höhepunkt dann am Mittwoch. Wieder im Internet und über elektronische Textnachrichten per Telefon. Da ist die Rede davon, dass der 19-Jährige "in die Schule kommen, sich selbst umbringen und andere mitnehmen will". Polizeisprecher Lutz Miersch bestätigt: "Die Androhung eines Amoklaufes lag vor." Die Polizei reagiert. Vorbeugende Maßnahmen des Personenschutzes und für eine mögliche Gewahrsamsnahme wurden eingeleitet, erläutert der Polizeisprecher.

Die Verunsicherung unter den Schülern und Eltern steigt an diesem Mittwoch. "Ich fühle mich irgendwie nicht mehr ganz so sicher in dieser Schule", heißt es so oder ähnlich in Eintragungen im elektronischen Netzwerk Facebook von Schülern. Besorgte Eltern rufen beim Schulleiter an, führen die schrecklichen Szenen des gerade erst stattgefundenen Amoklaufes in einer Schule in den USA an, melden ihre Kinder für Donnerstag von der Schule ab. In zahlreichen Klassen fehlen am gestrigen Tag Schüler. In einer Neunten waren von 31 Schülern nur noch sechs, übrigens alles Mädchen, anwesend.

Am Mittwochabend wird der 19-Jährige erneut bei der Polizei vorgeladen und mit den Vorwürfen konfrontiert. Er gesteht, die Eintragungen zu kennen und sagt, so Miersch, "dass er aber nicht die Absicht hat, so etwas zu tun". Die Polizei lässt den Mann mit der Auflage, am nächsten Tag um 11 Uhr wieder in der Wache zu erscheinen, gehen.

Donnerstagfrüh schließlich der Höhepunkt: Ein etwa ein Meter großer Schriftzug an einem Giebel des Schulgebäudes. Klar wird dabei der Vorname des bedrängten Mädchens benannt, und: Sie "wird sterben. Tod!" Der Polizei zufolge hat der 19-Jährige das mit Farbe an die Wand geschrieben.

Schulleiter Martin Goebel, der seit Bekanntwerden der Vorfälle im Kontakt mit Polizei und Schulamt steht, alarmiert erneut die Polizei. Die Beamten befragen Schüler, sichern das Objekt. Der Hausmeister wird gebeten, den Schriftzug zu entfernen. Unter der weißen Farbe schimmert noch leicht durch, was auf der Wand geschrieben steht.

Um 11 Uhr taucht der Mann wie verabredet in der Elsterwerdaer Polizeiwache auf. Er äußert sich umfassend und sagt, so Polizeisprecher Lutz Miersch, dass er keine Gewalt ausüben wolle. Zugleich bittet er die Polizei, ihm therapeutische Hilfe zu besorgen. Die fordert daraufhin den sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises an. Festgelegt wird, dass der junge Mann über die Feiertage und den Jahreswechsel nicht ohne Betreuer bleibt.

Schulleiter Martin Goebel reagiert am Donnerstag sehr sensibel. In einem Schreiben mit der Überschrift "Gerüchte zu einer Amok-Drohung" informiert er alle Lehrer sehr genau über den aktuellen Stand der Entwicklungen. Gegenüber der RUNDSCHAU gesteht er später, dass er selbst unter großer Anspannung steht. "Erst wenn du selbst von so einem Vorfall betroffen bist, merkst du, wie schwer es ist, richtig zu reagieren ."