Ganz bewusst war der Klostersaal der Luckauer Kulturkirche mit seinem einzigartigen Ambiente für die feierliche Ehrung ausgewählt worden. Festliche Musik erklang. Sven Bogacz, der Leiter der Polizeiinspektion Süd, eröffnete die Veranstaltung - teilte dann aber eine Hiobsbotschaft mit: 38 Beamte können leider nicht befördert werden - wegen eines Verwaltungsaktes.

"Wir fühlen uns verar . . . und sind stinkesauer nach Hause gefahren", sagte ein Polizist, der weder seinen Namen noch seinen Dienstort öffentlich nennen mochte. Es ging um jene Beamte, die vom Polizeiobermeister zum Polizeihauptmeister befördert werden sollten. "Damit wäre eine Anerkennung unserer Arbeit, aber auch netto ein 100-Euro-Schein mehr im Monat verbunden", sagte der Polizist. "Jetzt vor Weihnachten haben viele das Geld gut gebrauchen können."

Zum Beförderungsstopp der betreffenden Polizeibeamten in letzter Minute kam es, nachdem ein Kollege, der nicht mit auf der Beförderungsliste stand, in einem Eilverfahren juristisch dagegen vorgegangen war. Darüber informierte Andreas Koark, Vizepräsident beim Cottbuser Verwaltungsgericht, auf Nachfrage. Der Versuch des Polizeipräsidiums, den Letzten auf der Beförderungsliste zu streichen und stattdessen den klagenden Kollegen draufzusetzen, um so den feierlichen Akt doch noch zu retten und vor einer Peinlichkeit zu bewahren, scheiterte. "Das Verfahren ist so nicht möglich", erklärte Koark. Auch einfach einen 39. Polizeibeamten auf die Beförderungsliste zu setzen, sei rechtswidrig. "Das hätte, da eine zu besetzende Stelle noch nicht ausgebracht wurde, einen Eingriff in den Landeshaushalt bedeutet, zu dem das Gericht nicht berechtigt ist", sagte Koark.

Inzwischen hat das Verwaltungsgericht festgelegt, alle eingereichten Beförderungsanträge für die betreffenden Polizeibeamten und ihre Beurteilungen zu überprüfen. Ob die Beförderung noch vor Weihnachten nachgeholt wird, scheint zweifelhaft. "Die Prüfung kann erst nach dem Eingang der Unterlagen und nachdem alle Beteiligten sich zur Sache haben äußern können, beginnen", erklärte der Verwaltungsgerichts-Vize.

Von Gewerkschaftsseite wird nicht schlechthin dieser Vorfall, sondern die Beförderungspraxis in Brandenburg generell kritisiert. Holger Schiffner, Sprecher der Polizeigewerkschaft in Cottbus, der als Personalrat an der Veranstaltung teilnahm und die beförderten Beamten beglückwünschen wollte, unterstrich: "Seit vielen Jahren werden unsere Polizisten für ihre Leistungen nicht belohnt." Und auch der Potsdamer Gewerkschaftssekretär Michael Peckmann stellte fest: "Jährlich gibt es nur etwa 600 Beförderungen in Brandenburg - 2000 wären aber notwendig, um den Stau abzubauen. Polizeibeamte leisten Arbeiten, für die sie durch zu niedrige Besoldungsgruppen nicht in ausreichendem Maße bezahlt werden." In den Südbrandenburger Dienststellen seien zahlreiche Polizeibeamte seit mehr als 20 Jahren nicht befördert worden.