schilderte der Ermittler im Zeugenstand gestern vor dem Landgericht in Dresden sichtlich bewegt die Anstrengungen der Polizei zur Ergreifung des Geiselnehmers.
"Und dann stand er plötzlich in der Tür, nur mit einem Slip bekleidet", berichtet der Beamte über die Festnahmeaktion, nachdem die Beamten an der Wohnung von M. geklingelt hatten: "ganz unspektakulär." Der 36 Jahre alte Angeklagte habe bei der Festnahme am 15. Februar in seiner "mit Hundekot beschmutzten Wohnung" keine Gegenwehr geleistet. Ruhig habe er sich auch bei der anschließenden Vernehmung verhalten.

Obwohl er "keine Probleme" gemacht habe, sei man vor M. stets "auf der Hut" gewesen, sagt der Beamte über die ersten Tage nach der Ergreifung des vorbestraften Wiederholungstäters. "Man hatte das Gefühl, dass er immer latent gefährlich ist." Mario M. habe zu keinem Zeitpunkt locker gelassen, habe immer "unter Spannung" gestanden.
Gespannt lauscht der Vater der 14-jährigen Stephanie den Schilderungen. Erstmals steht der Nebenkläger dem Peiniger seiner Tochter im Gericht gegenüber. Um sich selbst von der Verhandlung ein Bild zu machen, wie er später sagt. Er wolle sehen, wie der Mann, der seine Tochter 36 Tage lang gefangen hielt und auf unvorstellbar grausame Art und Weise misshandelte, seine "gerechte Strafe" bekommt. "Ich hoffe, er verschwindet für immer hinter Schloss und Riegel", sagt er ernst. Gleichzeitig wolle er mit der Anwesenheit im Gericht seine Tochter unterstützen. Die Gymnasiastin, die als Zeugin aussagen wollte, sei nach der spektakulären Kletteraktion des Angeklagten auf das Gefängnisdach in Dresden nicht mehr in der Lage vor Gericht zu erscheinen, erklärte der Rechtsbeistand der Familie, Ulrich von Jeinsen.
Ein psychologisches Gutachten attestiere dem Mädchen, dass sie während der bis zum 14. Dezember geplanten Prozessdauer nicht für den Zeugenstand stabilisiert werden könne. Sie sei in "höchstem Maße" verängstigt. Das Gericht legt fest, dass sie nicht als Zeugin erscheinen muss.
Nachdem am zweiten Prozesstag Mario M. von Elitepolizisten eskortiert und in Hand- und Fußfesseln zur Anklagebank geführt wurde, hat er während der Gerichtsverhandlung nunmehr die Hände wieder frei. Äußerlich ruhig schiebt er hin und wieder seinem Verteidiger Andreas Boine einen Zettel zu. Er vermeidet den Blick hin zu Stephanies Vater. In dem bis auf den letzten Platz gefüllten Gerichtssaal wird es mucksmäuschenstill, als er auf die Frage der Jugendschutzkammer antwortet, wem seine letzten beiden Telefonate unmittelbar vor der Festnahme galten: seiner Tochter und einer Bekannten, sagt M. leise.
Der arbeitslose Anlagenbauer ist nach Auskunft seines Anwalts Vater einer zwölfjährigen Tochter. Mehr soziale Kontakte als zu seinem Kind, der Kindsmutter und "zwei jugendlichen Mädchen" habe der mittellose Mann kaum gehabt, berichtet eine Kriminalhauptkommissarin aus Dresden. In der Nachbarschaft sei M. als kontaktarm und scheu wahrgenommen worden.
Die Ermittler seien bei der Wohnungsdurchsuchung auf mehr als 800 Videos gestoßen. Neben Kindersendungen, Pornografie zeige das Material auch Sequenzen mit Kindern, die heimlich in Dresden gefilmt wurden. Sieben weitere Bänder dokumentieren das Martyrium der Sex-Geiselhaft, der damals 13-jährigen Stephanie.