Gegen die Rocker werde wegen des Verdachts der Bildung bewaffneter Gruppen ermittelt, sagte Einsatzleiter Axel Bédé, Dezernatsleiter Organisierte Kriminalität des Landeskriminalamtes Berlin, jetzt in Cottbus. Alle Festgenommenen seien heute wieder auf freien Fuß gekommen.

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) sprach von einem deutlichen Signal der Konsequenz gegen diese Rockerszene. Er kündigte an, dass die Polizei auch künftig entschlossen gegen die kriminelle Rockerszene vorgehen werde. "Wir hatten zuvor Erkenntnisse, dass am Samstagabend in Cottbus eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen den "Bandidos" und den "Hells Angels" bevorstand", begründete Bédé den Polizeieinsatz. Dazu sei es aber durch die Festnahmen nicht gekommen.

An dem Einsatz waren nach seinen Angaben 500 Beamte beteiligt, darunter 100 des Spezialeinsatzkommandos (SEK). "Außerdem haben wir mehrere Mitglieder der "Hells Angels" überprüft, die bereits alarmiert worden waren und sich in Cottbus versammeln wollten." Es seien Platzverweise für den Bereich Cottbus ergangen. Durch die Festnahmen der "Bandidos" konnte eine Eskalation zwischen den verfeindeten Gruppen verhindert werden. "Das sind Konkurrenzkämpfe um den Einfluss in Cottbus", sagte der Chef des Polizeipräsidiums Frankfurt (Oder), Klaus Kandt.

Auf Grund der Erkenntnisse des Landeskriminalamtes Berlin über die drohende Auseinandersetzung waren die Beamten vorgewarnt: Zunächst hatten sich Bédé zufolge Angehörige der "Bandidos" in Berlin versammelt und sich auf den Weg nach Cottbus gemacht. Um den Brandenburger Platz und die Spremberger Straße hatten sich Mitglieder des Motorradclubs in Kneipen verteilt. Dann griff die Polizei zu: 128 Männer wurden festgenommen, in ihren Autos fanden die Beamten Waffen und schusssichere Westen.

Die kriminelle Motorradrockerszene von Berlin und Brandenburg sei eng verbunden, sagte der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch. "Innerhalb kurzer Zeit können im Umland 500 bis 1000 Mitglieder aktiviert werden." In den vergangenen Wochen habe es in diesem Milieu "gravierende Straftaten" gegeben.

Der Streit der beiden Banden um die Vorherrschaft in der Cottbuser Region dauert nach Angaben der Polizei bereits seit längerem an. In diesem Jahr habe es wiederholt Kämpfe zwischen den Rockergruppen gegeben. Zuletzt hatten die "Hells Angels" am 24. Oktober eine Gruppe von "Bandidos" angegriffen. Dabei waren einige Personen erheblich verletzt worden.