Als die Handschellen klicken, ist die Begeisterung der Lausitzer Polizisten zunächst von kurzer Dauer. Sie haben zwar eine mutmaßliche Diebesbande geschnappt, finden in deren Fahrzeug aber keine Beute. Zum Glück können Kollegen aus Mecklenburg-Vorpommern aushelfen. Sie haben die gleiche Gruppe im Visier und sind sich sicher, ihnen den Diebstahl von Autoreifen nachweisen zu können – und zwar im großen Stil. Die verdächtigen Männer aus Rumänien sitzen vorerst in Haft.

Reisende Banden sind seit Jahren ein Problem

Ein Erfolg, aber kein ungewöhnlicher für die Polizei. „Reisende Banden aus dem Ausland sind ein Phänomen, das uns seit Jahren beschäftigt“, sagt Polizeisprecherin Ines Filohn in Cottbus. Egal ob Fahrradklau, Metalldiebstahl oder Wohnungseinbrüche, spezialisierte Gruppen, die immer mal wieder auftauchen und auf die schnelle Beute hoffen, sind für die Lausitzer Polizei Alltag.

Das beweist auch ein Blick in die Brandenburger Kriminalitätsstatistik. Der Anteil „nicht-deutscher“ Täter – so heißt das im Sprachgebrauch der Polizei – lag 2018 in Brandenburg bei 24,3 Prozent. In Sachsen sind es 21 Prozent. Das heißt: Jeder vierte beziehungsweise fünfte Tatverdächtige ist Ausländer. Davon ist wiederum die Hälfte als Flüchtling registriert, wobei der Großteil allerdings auf Straftaten gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz entfällt, Straftaten, die deutsche Staatsbürger schon per Definition nicht begehen können.

Jeder zweite Taschendieb aus dem Ausland

Betrachtet man den Teil der nicht-deutschen Tatverdächtigen ohne Flüchtlinge, so sind es vor allem Diebstahl-Delikte, bei denen ausländische  Tatverdächtige ermittelt werden:

- Taschendiebstahl: 58 Prozent

- Diebstahl von Kraftwagen: 45,6 Prozent,

- Diebstahl aus oder an Kfz: 35,3 Prozent,

- Wohnungseinbrüche: 28,8 Prozent.

Besonders hoch ist auch der Anteil Nicht-Deutscher bei der Hehlerei von Kfz. Damit sind die Verdächtigen gemeint, die geklaute Autos über die Grenze nach Polen fahren, um sie dort an die Autoklaubanden zu übergeben. Profi-Knacker haben die Fahrzeuge vorher geöffnet und dann an die angeheuerten und häufig unter Drogen stehenden Kurierfahrer übergeben. 252 dieser ausländischen Fahrer hat die Polizei 2018 in Brandenburg erwischt. Das sind 83 Prozent aller geschnappten Hehler.

Diebe sind oft Osteuropäer

Wer sind die Täter und wo kommen sie her? Oft handelt es sich um Osteuropäer, die in ihrer Heimat angeworben und mit Fernbussen oder Pkw an einen Einsatzort gebracht werden. Dort erhalten sie die nötige Ausrüstung und eine Einführung und werden dann auf Diebestour geschickt. Untergebracht werden sie häufig in angemieteten Ferienwohnungen oder bei Landsleuten.

Täter bewegen sich schnell durch ganz Europa

In der Regel halten sie sich aber nur für wenige Tage an einem Ort auf und wechseln dann häufig über Hunderte Kilometer zum nächsten Tatort – nicht nur in Deutschland. „Die Tätergruppen nehmen die einzelnen Länder Europas nicht separat wahr. Sie sehen Europa als Ganzes, bewegen sich und agieren auch innerhalb Europas dementsprechend“, lautete schon 2016 das Fazit einer Fachtagung des bayrischen LKA zum Thema. Die Ermittler sprechen von sogenannten Mogs – Mobile Organised Crime Groups.

Einer klaut, einer transportiert

Dabei gehen die Täter oft arbeitsteilig vor: Ausspionieren, Diebstahl und Abtransport der „heißen“ Ware werden von unterschiedlichen Personen übernommen. Die Hintermänner sitzen im Ausland und kümmern sich im Anschluss um den Verkauf des Diebesgutes.

Das Tatbegehungsmuster – hier am Beispiel der Kfz-Teile-Diebe – ist bei den meisten Täterbanden aus dem Ausland ähnlich. Unterschiede gibt es lediglich in der Spezialisierung. So geht die Polizei etwa im Fall der „Planenschlitzer“, die sich auf Lkw-Ladungen spezialisiert haben, von Tätern aus, die alle aus einer bestimmten Ecke Polens stammen.

Die meisten kommen aus Polen

Schaut man in die Statistik der Polizei, so finden sich unter den nicht-deutschen Tatverdächtigen auch Polen mit 16 Prozent an der Spitze der Herkunftsländer. Es folgen Syrer,  Russen und Afghanen, die aber eher in anderen Deliktfeldern anzutreffen sind. Die nächstgrößere Gruppe machen Rumänen aus, die als Tatverdächtige vor allem in Bereichen wie Einbruch, Taschendiebstahl und Ähnlichem in Erscheinung treten.

In der Lausitz seien zudem in jüngster Zeit auch verstärkt litauische und ukrainische Täter zu beobachten, berichtet Polizeisprecherin Ines Filohn.

Nur jede vierte Tat wird aufgeklärt

Tatsächlich kann der Anteil der ausländischen Täter sogar noch größer liegen. Denn längst nicht jeder Diebstahl wird aufgeklärt. Im vergangenen Jahr lag die Aufklärungsquote für Diebstahl in Brandenburg bei 26,4 Prozent.