"Wir überlegen: Wie setzen wir an? Wie müsste so eine Soko personell untersetzt sein?" Eine Entscheidung solle in den nächsten Tagen fallen.

Freitagabend hatten etwa 100 teils Vermummte in Leipzig randaliert. Sie zündeten eine Barrikade und Molotowcocktails an und warfen mit Steinen Fenster am Bundesverwaltungsgericht ein. Mit "hoher Wahrscheinlichkeit" hänge die Randale mit dem G7-Gipfel in Bayern zusammen, sagte die Polizeisprecherin. Es waren die fünften Krawalle dieser Art in Leipzig seit Jahresbeginn.

Die Polizei hatte nur einen Verdächtigen, einen 35-jährigen Mann, vorübergehend festgenommen. Der ganze Gewaltausbruch habe nur etwa 15 Minuten gedauert, sagte Braunsdorf. "Das war eine relativ dynamische Situation". Die Beamten seien darauf aus gewesen, die Vermummten zu stoppen. Weitere Festnahmen wären schwierig gewesen.

Polizeichef Merbitz und auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sprachen sich für mehr Beamte aus, um Präsenz zeigen zu können. Dagegen sagte der Extremismusexperte Gert Pickel von der Universität Leipzig, die Forderung nach mehr Polizei sei zwiespältig. "Einerseits darf man keine rechtsfreien Räume zulassen. Andererseits würde eine Massierung der Polizei als Provokation verstanden", sagte der Professor. Das könne die ganze Situation noch aufheizen. "Der Feind ist die Polizei als uniformierte sichtbare Präsenz des Staates", sagte Pickel. Ein Weg wäre es womöglich, sich mit gemäßigten Leuten aus der Szene an einen Tisch zu setzen, denn die könnten die radikalen Kräfte am ehesten erreichen. "Aber das wäre ein langer Prozess", sagte Pickel.