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| 01:24 Uhr

Polizei holt in Lakoma 15 Protestler von den Bäumen

Baumbesetzer und Polizist – die Umweltschutz-Aktivisten in der Höhe freizuschneiden, gestaltete sich außerordentlich mühevoll und zeitaufwendig.
Baumbesetzer und Polizist – die Umweltschutz-Aktivisten in der Höhe freizuschneiden, gestaltete sich außerordentlich mühevoll und zeitaufwendig. FOTO: Preikschat
Holzspäne rieseln auf Tobis Helm mit der Aufschrift Robin Wood. Der junge Umweltschutz-Aktivist sitzt in 30 Metern Höhe auf einer Astgabel. Von Daniel Preikschat

Er ist mit Stahlrohren an den Stamm gefesselt und sieht zu, wie über ihm zwei Männer im Kranwagen-Korb den Baumstamm scheibchenweise runtersägen. Alle anderen Äste liegen schon auf der Erde.
Wenig später können die Männer im Krankorb Tobis zusammengeschlossene Arme über den Stamm schieben. Sie heben ihn in den Korb, der vor einem Mannschaftswagen der Polizei niederschwebt. Von unten klatschen Sympathisanten Beifall. Sie rufen: „Super durchgehalten Tobi!“ Lächelnd steigt der Baumbesetzer in den Wagen. In der Cottbuser Polizeiwache werden Personalien und Fingerabdrücke registriert.
Noch 14 weitere junge Männer hat die Polizei gestern mit technischer Hilfe von Vattenfall an den Lakomaer Teichen (Spree-Neiße) von den Bäumen geholt. „Freitag“ , so Polizeisprecherin Kati Prajs, „soll die Räum-Aktion ihr Ende finden.“ Einige Aktivisten würden noch in den Bäumen ausharren. Man sei gestern bis Einbruch der Dunkelheit nicht an alle Robin- Wood-Leute herangekommen. „Die Bergung ist sehr aufwendig“ , so die Polizeisprecherin. Außerdem gestalte es sich schwierig, nach der Bergung die Stahlrohrverkleidungen von den Armen der Aktivisten zu bekommen, mit denen sie sich an die Stämme gefesselt hatten.

Ziel nicht ganz erreicht
Vattenfall hatte gestern erneut darauf hingewiesen, dass die Besetzer das Vorankommen des Tagebaus Cottbus-Nord seit zehn Tagen gesetzwidrig blockieren (die RUNDSCHAU berichtete). Die Räumaktion sei deshalb notwendig. Allerdings hatte sich der Energiekonzern in einer Presseinformation etwas zu weit vorgewagt mit der Formulierung: „Vattenfall beendet Baumbesetzung.“ Denn das klappte gestern nicht ganz.
Dabei hätten Polizei und Vattenfall alles getan, um die Besetzer „so schnell wie möglich weg zu kriegen“ , so Robin- Wood-Sprecherin Ute Bertrand. Besonders Vattenfall-Mitarbeiter seien „sehr rabiat“ vorgegangen. Sicherheitsstandards seien bei der gefährlichen Aktion nicht immer beachtet worden, so die Aktivistin weiter. So habe am Vormittag ein gefällter Baum einen anderen im Niederfallen gestreift. Dabei hätte sich ein Baumbesetzer fast verletzt.

Gereizt regiert
Das Engagement von Hausherr Vattenfall als Unterstützer der Polizei sah auch Linke-Landtagsabgeordneter Gert-Rüdiger Hoffmann kritisch: „Es ist doch klar, dass Wachschutz und Werksfeuerwehr von Vattenfall auf Baumbesetzer gereizt reagieren.“
Weiter hält es Hoffman für „fahrlässig“ , dass die Polizei in Lakoma keine Antikonfliktteams einsetzt. Dazu Polizeisprecherin Kati Prajs: „Diese Teams arbeiten rein kommunikativ. Die Baumbesetzer wollten aber nicht mehr reden.“
Vattenfall ließ gestern nicht nur Naturschützer von den Bäumen holen. Zugleich begann das Unternehmen, in Lakoma Bäume zu fällen. Radlader und Traktoren mit Greifarmen prägten das Bild.
„Die gefällten Bäume werden auf Spuren von Fledermausquartieren und Eremitenbesatz kontrolliert“ , so Unternehmenssprecher Marco Bayer. Geschützte Arten würden geborgen und umgesetzt. Weiter wies Bayer auf den ökologischen Ausgleich für die Teichlandschaft hin. Bis 2011 würde die Spreeaue auf zwölf Kilometern renaturiert.