Mehr als 500 Meter sind die Scheinwerfer auf dem Cottbuser Stadtring noch entfernt. Doch Polizeikommissarin Katja Drießen lässt das Blitzgerät immer wieder piepen. Auch Polizeioberkommissar Dietmar Breu, der die Kontrollen für die Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße koordiniert, schaut aufmerksam in die nahende Autokolonne. "68 - ist das der, der gerade überholt?", fragt er seine Kollegin. Katja Drießen nickt stumm. Für ihren Laserstrahl muss sie Teile des Autos anvisieren, die reflektieren. Am besten funktioniere das am Nummerschild. Bei Motorrädern wird der Scheinwerfer angepeilt. Doch drei Sekunden später entspannt sich der Blick der Polizistin. Es ist heller geworden. "Das Polizeiauto hinter uns ist gut sichtbar. Derzeit erkennen uns die Autofahrer etwa aus einer Entfernung von 300 Metern", sagt Dietmar Breu. Und sie bremsen natürlich ab von 65 auf 59, von 62 auf 44 Kilometer pro Stunde. "Und dann wird auch noch abrupt von der Überholspur auf die rechte Fahrbahn gewechselt - obwohl das zumindest die Pkw ohne Anhänger hier gar nicht müssen."

60 Kilometer pro Stunde sind auf diesem Teil des Cottbuser Stadtrings erlaubt. Knapp 242 Meter vorm Ortsausgangsschild in Richtung Peitz steht das Lasermessgerät auf dem Stativ. Es soll vor zehn Jahren in der Schweiz entwickelt worden sein - und Breu weiß es zu schätzen. Als die B 97 wiedereröffnet wurde, haben wir es am Schäferberg eingesetzt. Es liefert im Bereich von 30 bis 1000 Metern verwertbare Ergebnisse und kann auch ohne Stativ und durch die Autoscheibe lasern." Die Rechtsabbiegerspur ist lang genug für herausgewinkte Raser. Doch an diesem Morgen lassen die Temposünder auf sich warten. "Sonst ist dieser Abschnitt recht ertragreich", sagt Dietmar Breu, "aber das heute viele vorbildlich fahren, ist ein Zeichen dafür, dass die breite Ankündigung der Aktion etwas bewirkt hat."

Brandenburg gehörte zu den Bundesländern, die vorab ihre Kontrollstellen angekündigt hatten. Zudem werden den Messgeräten keine Kameras aufgesetzt. Das macht nicht nur einen zweiten Polizisten neben dem Messgerät erforderlich, sondern die Temposünder werden gleich herausgewinkt. Wie die Polizei in dieser Woche immer wieder betont, gehe es ihr eben nicht darum, möglichst viele Bußgelder einzunehmen. Sondern das Bewusstsein für die Tempolimits soll bei den Autofahrern - ob sie pendeln, im Lkw auf der Piste sind oder einkaufen fahren - mal wieder geschärft werden. "Die wenigsten Autofahrer haben während der Fahrt den Tacho im Blick. Aber sie wissen trotzdem, dass sie immer etwas zu schnell unterwegs sind. Aber im Vergleich zu anderen Ländern sind Geschwindigkeitsüberschreitungen in Deutschland billig, weil wir das Punktesystem entwickelt haben", sagt Breu.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft hat anlässlich des ersten bundesweiten Blitz-Marathons deshalb auch schärfere Strafen für Raser gefordert. "Wir benötigen härtere Sanktionen zur Abschreckung. Unsere Buß- und Verwarngelder sind im EU-Vergleich unfassbar niedrig", sagt der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Wendt. Wer mit Tempo 100 in der verkehrsberuhigten Zone fahre, sollte seinen Führerschein sofort abgeben müssen und wie bei Trunkenheitsfahrten zur medizinisch-psychologischen Untersuchung verpflichtet werden. Aber die Masse der Autofahrer in Deutschland verhalte sich laut Wendt doch sehr verantwortungsbewusst. "Zehn bis 15 Prozent aber sind hemmungslose Raser und bringen Menschen mit ihrer Rücksichts- und Gedankenlosigkeit in Gefahr", kritisiert Rainer Wendt. Zu hohe Geschwindigkeiten gehörten trotz der gesunkenen Zahl an Verkehrstoten weiterhin zu den Hauptursachen von Unfällen, die oft viel Leid zur Folge haben. "Leider ist die Polizei zu selten in der Lage, solche personalaufwendigen Aktionen durchzuführen", bedauert Rainer Wendt.

Auch der ADAC befürwortet die Maßnahme. Allerdings sollten die Polizisten Temposünder direkt auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen können, da so ein Lerneffekt bei den Autofahrern erzielt werden könne. Der Verein "Mobil in Deutschland" hingegen kritisiert den Blitz-Marathon: Damit solle nur die Staatskasse gefüllt werden. Dem widerspricht die Polizei: Bei den vier Blitz-Aktionen in Nordrhein-Westfalen sei die Quote der Autofahrer, die zur Kasse gebeten wurden, nur etwa halb so hoch wie bei unangekündigten Kontrollen gewesen.

Die Polizei in Dortmund meldete bereits am Donnerstagvormittag einen Raser, der gleich zweimal geblitzt wurde. Das erste Mal soll er mit 96 bei erlaubten 50 Stundenkilometern in eine Kontrollstelle gesaust sein. Dabei stellten die Polizisten fest, dass er seine Kfz-Steuer noch nicht bezahlt hatte. Als er dann mit quietschenden Reifen wutentbrannt davon düste - soll er mit Tempo 78 am nächsten Kontrollpunkt erneut negativ aufgefallen sein.

Die Sachsen, die noch mitten in der "Blitz for Kids"-Kampagne stecken, ließen die Kinder auch gestern nicht im Stich. "Unser Fokus bleibt auf den Kontrollen an Schulen", bestätigte ein Polizeisprecher aus Leipzig. An knapp 90 Stellen im Freistaat kämpfte die Polizei gegen Raser.

Und die Kollegen in Krefeld und Hückeswagen hatten für einen Moment das Geschwindigkeitsmessen ganz vergessen. Lamas gerieten ins Visier der Tempokontrolleure. Die Polizisten brauchten eine Weile, bis sie die Tiere eingefangen hatten.

Erste Messergebnisse werden am heutigen Freitag vorgelegt, da die Aktion bis um 6 Uhr läuft. Auch die Kommunen, die sich an den Kontrollen beteiligen, reichen ihre Zahlen weiter.

Zum Thema:
Die Innenministerkonferenz hatte im Mai beschlossen, den "Blitz-Marathon" einheitlich in Deutschland zu starten. Durchgeführt wird er von der Polizei in den einzelnen Bundesländern. Die Idee stammt aus Nordrhein-Westfalen, wo es schon vier solcher Aktionstage gab. Auch in Finnland, Portugal, Australien und Polen wird inzwischen nach deutschem Vorbild geblitzt.