Hat ein damaliger V-Mann des Landeskriminalamtes (LKA) Rheinland-Pfalz die drei georgischen Autohändler bei Heppenheim in Südhessen getötet? Oder war es doch ein 27 Jahre alte Somalier, der unter Islamismus-Verdacht steht? Oder waren es beide zusammen, wie es der Staatsanwalt als bewiesen ansieht? Mit dem Urteil geht nach drei Monaten ein stellenweise mit harten Bandagen geführter Indizienprozess zu Ende.Nach Auffassung des Staatsanwaltes Lutz Pittner war die Tat an sich, die am 30. Januar 2008 an einem Schafstall in der Nähe eines Sees verübt wurde, ein "klassischer Raubmord". Alles andere als klassisch sind die beteiligten Personen. Da ist der eine Angeklagte, ein Deutsch-Iraker, der seit einigen Jahren als V-Mann für das LKA arbeitet. Er lieferte offenbar sehr brauchbare Hinweise aus der islamistischen Szene. Seit 2006 bespitzelt er den zweiten Angeklagten: Der Somalier geriet in den vergangenen Jahren immer wieder in den Verdacht, Gelder für islamistische Zwecke zu sammeln. Die Angeklagten beschuldigen sich gegenseitig der Morde. Klar ist: Am 30. Januar stiegen die drei Georgier in Ludwigshafen zu dem V-Mann ins Auto, der ihnen angeblich ein zum Verkauf stehendes Auto zeigen wollte. In Frankenthal stieg der Somalier zu. Was dann auf der Fahrt nach Heppenheim und am Tatort geschah - dazu gehen die Schilderungen komplett auseinander. Am unglaublichsten klingt die Version des Deutsch-Irakers: Zwei vermummte Islamisten tauchten auf und halfen dem Somalier, die christlichen Georgier zu töten. Das müsse dann wohl die "schnelle islamistische Eingreiftruppe" gewesen sein, spottete der Verteidiger des Somaliers, Gerhard Härdle.Vor allem er hat in dem Prozess mit harten Bandagen gekämpft. Beide Verteidiger sahen sich in einer ungewohnten Situation, weil sie ihren Mandanten nicht zuletzt dadurch verteidigen mussten, dass sie den anderen Angeklagten angriffen. Manchmal sei er sich schon ein bisschen wie ein Staatsanwalt vorgekommen, sagte Stefan Allgeier, der Verteidiger des Deutsch-Irakers.Härdle teilte dagegen auch kräftig gegen das LKA aus. Dieses habe "den Bock zum Gärtner gemacht". Staatsanwalt Pittner betonte dagegen, dass es ohne die vom LKA gelieferten Informationen und Erkenntnisse wohl nie zu einer Anklage gegen die beiden Männer gekommen wäre.Während Pittner lebenslange Freiheitsstrafen für beide Angeklagten fordert, haben die beiden Verteidiger einen Freispruch für ihren eigenen Mandanten beantragt. dpa/ab