Gerade das schlechte Abschneiden der Parteien im Sachsen-Monitor bietet Anlass zur Sorge. Zuvörderst bei den Parteien. Nur 17 Prozent der Sachsen vertrauen den Parteien. Eine bemerkenswert kleine Minderheit von 21 Prozent kann sich vorstellen, in einer Partei mitzuarbeiten.

Der Chef der CDU-Landtagsfraktion, Frank Kupfer, interpretiert das Ergebnis so: Die Sachsen "erwarten von Politikern die Lösung von Problemen und lehnen parteitaktische Spielchen bei wichtigen Entscheidungen ab".

Obendrein seien die Sachsen eben "konservativ in ihrer Grundhaltung", dazu stolz auf das Erreichte und skeptisch vor dem Fremden. "Das ist aber auch ihr gutes Recht", meint Kupfer.

Eine Einschätzung, die die Juso-Vorsitzende Katharina Schenk auf die Palme bringt. "30 Prozent der Sächsinnen und Sachsen haben starke Ressentiments, 14 Prozent haben geschlossene extrem rechte Einstellungen", mahnt Schenk. Und für den CDU-Fraktionschef sei das "kein Grund zur Besorgnis, sondern Anlass für noch ein bisschen mehr Sachsenstolz".

Die Jugendorganisation der mitregierenden SPD spricht sich offen für eine rot-rot-grüne Kooperation aus. "Angesicht solcher weltfremden Äußerungen aus den Reihen der CDU können wir uns nur bestätigt fühlen", so die Juso-Chefin.

Der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, sprach am Dienstag in Dresden etwas hilflos von einer "gewissen Sockelbildung". Richter sitzt im Beirat, der den Sachsen-Monitor bewertet. "Natürlich erschrecken uns autoritäre Denkweisen und Verhaltensmuster", sagt er. Man müsse nun dringend die sozialen Desintegrationsprozesse diskutieren, die die Umfrage zu Tage geführt hat. Ebenso wie die "extrem ausgeprägte rechte Jugendkultur".

Die Äußerungen junger Sachsen unter 30 Jahren hatten die Meinungsforscher besonders irritiert. Denn in dieser Altersgruppe sind Vorurteile stärker ausgeprägt als unter der Generation ihrer Eltern. Ein Beispiel: Der Aussage, "Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns", stimmen 13 Prozent der Sachsen zu - unter den 18- bis 29-Jährige sehen das 26 Prozent so. "Dem Bildungssystem insgesamt kann hier nicht das allerbeste Zeugnis ausgestellt werden", kommentiert Richter diesen Befund, "gleichwohl es nicht alleinverantwortlich ist". Stefan Schönfelder, Geschäftsführer der SPD-nahen Heinrich-Böll-Stiftung in Sachsen, sieht hier eine "große Aufgabe für alle Institutionen der politischen Bildung" anrollen. Demokratie und Menschenrechte müssten zudem im Alltag erfahren und erlernt werden.

Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) hat bereits angekündigt, ein Schulfach "Politische Bildung" im Stundenplan zu verankern.

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