Doch der SPD-Abgeordnete Carlo Schmid, prägende Figur im Parlamentarischen Rat bei den Beratungen über das geplante Grundgesetz der Bundesrepublik, plädierte für Großzügigkeit: "Die Asylgewährung ist immer eine Frage der Generosität, und wenn man generös sein will, muss man riskieren, sich gegebenenfalls in der Person geirrt zu haben."Dazu hatten die Deutschen nach der Nazi-Diktatur allen Anlass. Zwar waren bei den Beratungen in Bonn nicht alle auf Schmids Seite. Doch am Ende setzte sich der brillante Staatsrechtler durch - in Artikel 16 Absatz 2 fand ein kurzer und großer Satz Eingang: "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht."Genauso steht es inzwischen in Artikel 16a. Doch nun folgen vier lange Absätze, und die Tür - die Schmid "generös" aufstoßen wollte - ist nur noch einen Spalt breit geöffnet. Der Gehalt des Asylrechts ist wie kein anderes Grundrecht unter dem Druck der Verhältnisse und Stimmungen geschrumpft.Zuerst waren es nur ein paar Tausend, gern gesehene Flüchtlinge aus den osteuropäischen Ländern. Dann stiegen die Zahlen 1976 erstmals über 10 000, es kamen Inder, Pakistani, Türken, Libanesen. Worte wie "Wirtschaftsflüchtlinge" und "Asyltourismus" kamen auf. Und das war erst der Anfang: 1989 wurden 120 000 Anträge gezählt, 1992 fast 440 000 - einsamer Rekord. Unter heftigen Debatten wurde 1993 das Grundrecht auf Asyl eingeschränkt, 1996 gab das Bundesverfassungsgericht grünes Licht.In Zahlen ausgedrückt: 22 000 Menschen beantragten im vergangenen Jahr Asyl, vorwiegend aus dem Irak, darunter sind viele verfolgte Christen. Ihr Leid ist groß, doch großzügig sind andere. Syrien hat 1,3 Millionen, Jordanien 750 000 Iraker aufgenommen. Deutschland will davon nun 2500 übernehmen.