Wer Warnsignale bei Jugendlichen früher erkennen wolle, müssen deren Lebenswelt besser verstehen. Von der Leyen nahm Eltern, Schulen und Politik gleichermaßen in die Pflicht. Gerade während der Pubertät sei es wichtig, dass Eltern den Kontakt zu ihren Kindern halten. Gleichzeitig stelle sich aber auch die Frage, ob es an den Schulen ausreichend Zeit für Gespräche mit den Schülern gebe. "Zeit kostet Personal", räumte die Ministerin ein. "Aber diese Investition nicht zu machen, kommt uns viel, viel teurer zu stehen." Die jugendpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Caren Marks, sprach von einer "öffentlichen Verantwortung" für das Aufwachsen von Kindern, Kai Gehring von den Grünen forderte eine "Kultur des Hinsehens". Der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, forderte eine bessere außerschulische Kinder- und Jugendarbeit, die nicht von Mittelkürzungen und -streichungen bedroht sein dürfe. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) regte als Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden an, Gewalt-Seiten im Internet zu sperren. "Nach einem solchen Massaker erwartet die Öffentlichkeit zu Recht, dass wir Maßnahmen zur Verbesserung des Schutzes und der Sicherheit ergreifen", sagte sie. "Deshalb muss man auch prüfen, wie Gewalt befördernde Elemente im Internet eingedämmt oder blockiert werden können." Schavan appellierte an Eltern, nicht tatenlos zuzusehen, wenn sich ihre Kinder stundenlang am Computer mit sogenannten Killerspielen beschäftigen.Weiterhin umstritten sind Forderungen nach einer Verschärfung des Waffenrechts. Der Berliner SPD-Landeschef Michael Müller verlangte ein komplettes Waffenverbot für Privathaushalte. "Es gibt keinen Grund für Waffen in privaten Haushalten", sagte er. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sprach sich im Fernsehsender N24 zumindest für eine intensivere Kontrolle von Waffenbesitzern aus.Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) forderte unterdessen einen "110-Button" für Internet-Chatrooms. Dieser solle wie ein Notrufknopf im Fahrstuhl funktionieren, erklärte der BDK-Vorsitzende Klaus Jansen. Wer im Internet etwa auf die Ankündigung eines Amoklaufs stoße, könne mit diesem Button eine spezielle Rettungs-Leitstelle alarmieren.Derweil erklärte die Warenhauskette Galeria Kaufhof, als Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden alle Computer- und Videospiele aus dem Verkauf zu nehmen, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind. "Wir tun das, um in gesellschaftspolitischer Hinsicht ein Zeichen zu setzen", sagte am Mittwoch eine Sprecherin des Unternehmens in Köln. Auch Filme ohne Jugendfreigabe würden künftig nicht mehr angeboten. dpa/ab