US-Präsident Barack Obama hat vor einer weltweiten Verbreitung des Ebola-Virus gewarnt. Die Seuche könne sich wegen des Reiseverkehrs auf den ganzen Globus ausdehnen, sagte er am Mittwoch (Ortszeit) nach einem Treffen mit dem Chef der US-Seuchenbehörde CDC. Obama kündigte ein „viel aggressiveres“ Vorgehen bei neuen Ebola-Erkrankungen in den USA an.

Ab sofort soll eine schnelle Eingreiftruppe der CDC (Centers for Disease Control and Prevention) dafür sorgen, dass auch schlecht vorbereitete Kliniken bei neuen Fällen richtig handeln. Zuvor war bekanntgeworden, dass sich in einem texanischen Krankenhaus eine zweite Schwester bei der Pflege eines Patienten mit dem Ebola-Virus infiziert hatte. Obama schätzt die Gefahr eines umfassenden Ausbruchs in den USA als gering ein.

Deutschland stellt weitere 85 Millionen Euro zur Eindämmung der Epidemie bereit. Der Haushaltausschuss des Bundestages bewilligte nach Angaben von CDU/CSU vom Donnerstag diese zusätzlichen Mittel. Mit den bereits zugesagten 17 Millionen Euro stünden insgesamt 102 Millionen Euro zur Verfügung. Von dem zuletzt bewilligten Geld entfielen rund 50 Millionen Euro auf das Entwicklungsressort sowie 35 Millionen Euro auf das Auswärtige Amt. Langfristig werde es jedoch darum gehen, die Gesundheitssysteme in Westafrika zu stärken. Hierfür stelle Deutschland 700 Millionen Euro zur Verfügung.

„Das, was wir jetzt tun, um in Westafrika zu helfen, ist im besten Sinne des Wortes notwendige Hilfe für die Menschen dort, aber auch der wirksamste Eigenschutz für die Bevölkerung in Europa“, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vor einem Treffen mit anderen europäischen Ministern in Brüssel. Die Teilnehmer wollten über mögliche Kontrollen von Reisenden in betroffenen Ländern noch vor dem Abflug sowie bei der Ankunft in Europa beraten.

Frankreich plant, von Samstag an alle Passagiere von Flügen aus Ebola-Gebieten zu kontrollieren. Ein Ärzteteam werde die Passagiere direkt nach der Landung untersuchen, sagte Gesundheitsministerin Marisol Touraine im französischen Sender LCI. Noch vor Eintritt in das Flughafengebäude solle die Temperatur der Passagiere gemessen werden. Ähnliche Kontrollen gibt es bereits in Großbritannien.

Ebola wird auch Thema des Asien-Europa-Gipfels (Asem) am Donnerstag in Mailand sein. „Die großen globalen Herausforderungen werden wir nur gemeinsam bewältigen können“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die Ebola-Epidemie und die Terrormiliz Islamischer Staat sind nach den Worten des UN-Hochkommissars für Menschenrechte eine „doppelte Heimsuchung“ für die Welt. Prinz Said Raad al-Hussein sagte in Genf, dass beide Bedrohungen nicht aus heiterem Himmel gekommen seien, sondern sich „leise und vernachlässigt von der Welt aufgebaut hätten“. Das Potenzial sei zu lange unterschätzt worden.

Fast 9000 Ebola-Fälle sind bei der Weltgesundheitsorganisation inzwischen registriert. Bis Dezember rechnet die Behörde mit wöchentlich 5000 bis 10 000 Neuinfektionen pro Woche.

Überlebende einer Ebola-Epidemie in Uganda boten sich unterdessen an, in den jetzt schwer betroffenen Ländern Westafrikas Opfern der Seuche psychologisch zu helfen. „Als wir krank waren, haben wir schreckliche Erfahrungen gemacht“, sagte Walter Odongo, der Vorsitzende der Vereinigung der Ebola-Überlebenden im nordugandischen Distrikt. Dort war das Virus vor 14 Jahren ausgebrochen und hatte 224 Menschen getötet. „Wir waren traumatisiert und stigmatisiert, man zeigte mit Fingern auf uns“, sagte Odongo der Nachrichtenagentur dpa.

In Westafrika wird versucht, Ebola-Überlebende für Aufgaben im Kampf zur Eindämmung der Epidemie zu gewinnen. Da sie Immunität gegen das Virus erworben haben, könnten sie etwa als Pfleger für Patienten in Isolierstationen und Quarantänezonen eingesetzt werden. Solche Möglichkeiten sollten bei einem Treffen von Ebola-Überlebenden erörtert werden. Dazu hatten das Gesundheitsministerium von Sierra Leone und das UN-Kinderhilfswerk (Unicef) 35 Überlebende für Donnerstag und Freitag in die Stadt Kenema eingeladen.