Schule in Berlin-Pankow besuchen, aber etwa die geplanten Online-Durchsuchungen: "Dann können die Polizisten ja in den Privatsachen rumschnüffeln, irgendwelche Konten öffnen und das ganze Geld auf ihre eigenen Konten überweisen." Nun wollen sich die beiden 13-Jährigen erst einmal informieren, welche Hürden ein Gesetz überhaupt nehmen muss, bevor es in Kraft treten kann. Diese Möglichkeit bietet ihnen die neue Homepage des Deutschen Bundestages, die sich speziell an Kinder richtet - www.kuppelkucker.de.
Gemeinsam haben Leo und Ingmar die neue Seite auf Herz und Nieren geprüft. Ihr Fazit fällt insgesamt positiv aus: "Sehr übersichtlich, gut gestaltet, leicht verständlich." Vor allem auf die Verständlichkeit kommt es den Machern auch an - schließlich soll das Informationsportal Kinder zwischen acht und 14 Jahren ansprechen. Diese Altersunterschiede im Auge zu behalten, fällt natürlich schwer, und so haben Leo und Ingmar durchaus auch Kritikpunkte ausgemacht: "Die Bilder sind ein bisschen kindisch", sagen sie mit Blick auf die bunt gezeichneten Szenen. Dort unterhalten sich Kinder mit einem Saaldiener, laufen die Bundestagskuppel hinauf oder besuchen die Abgeordneten in deren Büros.

Auch Spiel und Spaß
Politik, kindgerecht verpackt - das ist das Ziel der Seite. Spielerisch sollen die kleinen Bürger an die große Politik herangeführt werden. So bietet die neue Homepage neben einem altersgerechten Lexikon auch verschiedene Online-Spiele. "Spiel und Spaß müssen immer dabei sein", sagen auch Leo und Ingmar.
Als Miriam Gruß anfing, sich für Politik zu interessieren, hat sie sich genau solche Möglichkeiten zur Information gewünscht. Doch damals gab es noch nicht das riesige Potenzial des Internets. Heute, im Alter von 31 Jahren, sitzt Miriam Gruß für die FDP im Deutschen Bundestag. Dort ist sie derzeit Vorsitzende der Kinderkommission - daher freut sie sich besonders, dass das Hohe Haus nun mit einer eigenen Kinderseite vertreten ist. "Wir müssen Kinder viel früher in Entscheidungsprozesse mitnehmen", sagt die Politikerin, selbst Mutter eines Sohnes.

Für Lehrer empfohlen
Auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, plädiert für die frühzeitige, kindgerechte Vermittlung von Politik. Er hält ebenfalls eine spezielle Kinderseite für ein geeignetes Instrument. Vorteile einer solchen Seite hat er aber nicht nur für Schüler ausgemacht: "Eigentlich kann man das allen Lehrern empfehlen - nicht nur denen, die Geschichte, Gemeinschafts- oder Sozialkunde unterrichten, sondern auch denen, die von anderen Fächern herkommen."
Doch zuerst einmal müssen die Kinder selbst gewonnen werden - laut der aktuellen Shell-Studie interessieren sich nur 39 Prozent der deutschen Jugendlichen für Politik. Auch deshalb will Miriam Gruß bereits bei den Jüngeren ansetzen: "Kinder sind wie Schwämme, sie saugen auf, sie wollen wissen."
Dieser Wissensaustausch funktioniert heutzutage vornehmlich über das Internet - aber die Abgeordneten treten nach wie vor auf anderen Wegen mit ihren künftigen Wählern in Kontakt. "Wir kriegen auch Briefe, die dann mit schönen Blümchen verziert sind", erzählt Miriam Gruß. "Darauf antworten wir auch."
Das Portal im Internet:
www.kuppelkucker.de