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| 18:36 Uhr

Politik
Das entfesselte Immunsystem

Mit dem Preis für Medizin beginnt jetzt wieder die Bekanntgabe der Nobelpreise.
Mit dem Preis für Medizin beginnt jetzt wieder die Bekanntgabe der Nobelpreise. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Stockholm. Zwei Forscher erhalten für eine neuartige Krebstherapie den Medizin-Nobelpreis.

(dpa/bl) Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den US-Amerikaner James Allison und den Japaner Tasuku Honjo für die Entwicklung spezieller Krebstherapien. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die Forscher hätten den Kampf gegen Krebs entscheidend vorangebracht, hieß es von der Nobeljury. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 870 000 Euro (neun Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Allison und Honjo hatten entdeckt, dass bestimmte Proteine als eine Art Bremse auf das Immunsystem wirken und dieses von der Bekämpfung von Tumorzellen abhalten. Löst man die Bremse, attackieren die Immunzellen die Krebszellen. Erste Therapien, die auf diesem Konzept basieren, sind als sogenannte Checkpoint-Therapien für verschiedene Krebsarten bereits verfügbar.

Der US-Amerikaner James Allison hatte herausgefunden, wie sich das menschliche Immunsystem entfesseln lässt.
Der US-Amerikaner James Allison hatte herausgefunden, wie sich das menschliche Immunsystem entfesseln lässt. FOTO: dpa / Christoph Schmidt

Der US-Amerikaner James Patrick Allison (geboren 1948), der seit 2012 an der University of Texas arbeitet, hatte herausgefunden, dass sich durch Aufhebung der Bremse das Immunsystem entfesseln lässt, wie die Nobeljury ihre Entscheidung begründete. Er entwickelte das Konzept zu einem neuen Ansatz zur Behandlung von Patienten weiter, unter anderem bei Schwarzem Hautkrebs. Er befasste sich vor allem mit dem Protein CTLA-4.

Tasuku Honjo aus Japan entwickelte einen anderen Ansatz als Allison, um das Immunsystem auszubremsen.
Tasuku Honjo aus Japan entwickelte einen anderen Ansatz als Allison, um das Immunsystem auszubremsen. FOTO: dpa / Ryosuke Ozawa

Der Japaner Tasuku Honjo (geboren 1942) von der Universität Kyoto untersuchte das Protein PD-1, das über einen anderen Wirkmechanismus das Immunsystem ausbremst. Therapien, die auf dieser Entdeckung beruhten, hätten sich als bemerkenswert effektiv im Kampf gegen Krebs erwiesen, so die Nobeljury.

Krebs töte jedes Jahr Millionen von Menschen und stelle eine der größten medizinischen Herausforderungen für die Menschheit dar. Bis zu den Entdeckungen der beiden Mediziner sei der klinische Fortschritt bescheiden gewesen, so die Begründung. Die Checkpoint-Therapie habe die Krebsbehandlung revolutioniert und unsere Ansichten, wie Krebs unter Kontrolle zu bringen ist, fundamental verändert. Neuere Studien deuteten darauf hin, dass eine Kombination der beiden Therapieansätze noch wirksamer sei. Zudem würden neue „Brems-Proteine“ als Ansatzpunkte für die Behandlung untersucht.

Mit dem Medizin-Preis startete der Nobelpreis-Reigen. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Preises benannt.

(dpa/bl)