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| 18:08 Uhr

Interview mit Hartmut Koschyk zum Treffen Kim-Trump
„Zum Schluss war Kim völlig isoliert“

Hartmut Koschyk
Hartmut Koschyk FOTO: picture alliance / Daniel Karman / Daniel Karmann
Berlin. Hartmut Koschyk (59) war bis zu seinem Ausscheiden im vergangenen Jahr 27 Jahre lang Bundestagsabgeordneter und ist einer der besten Nordkorea-Kenner in der Politik. Die RUNDSCHAU sprach mit dem CSU-Politiker, der derzeit Vorsitzender des deutsch-koreanischen Forums ist.

Ist das Verhandlungsergebnis wirklich eine historische Einigung?

Koschyk Wenn die Stimmung und die Dynamik von Singapur erhalten bleiben, dann kann daraus etwas Historisches werden. Es ist der Einstieg in einen Prozess, bei dem am Schluss eine Einigung über schwierigste Fragen stehen kann, die die Region seit Jahrzehnten belasten. Schon jetzt ist das Ergebnis aber ein historischer Einschnitt in den Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea.

Warum macht Kim das mit?

Koschyk Er ist ein noch junger Vertreter seiner Dynastie und hat erkannt, dass er aus der Isolation heraus muss. Weil sein Regime nur den Hauch einer Überlebenschance hat, wenn es sich öffnet und sein Verhältnis zu den USA bereinigt. Das Zusammenwirken der großen Mächte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat ebenfalls seine Wirkung gezeigt. Trump war klug beraten, China und Russland einzubeziehen. Dass Kim Jong Un am Schluss völlig isoliert war, hat den nachhaltigsten Eindruck auf ihn gemacht.

Es war also nicht Trumps Erfolg allein?

Koschyk Ich hoffe, dass Trump an dieser Herausforderung gelernt hat und lernt, dass es ohne Multilateralismus nicht geht.

Das Thema Menschenrechte spielte in Singapur praktisch keine Rolle.

Koschyk Das Thema wird noch eine Rolle spielen. Dazu wird der Druck in der amerikanischen Öffentlichkeit zu groß sein. Auch die Europäer können hier eine Rolle spielen. Deutschland zum Beispiel hat bei der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Nordkorea einen Menschenrechtsdialog vereinbart. Diese Beziehungen befinden sich derzeit auf dem Nullpunkt. Sie könnten und sollten jetzt wiederbelebt werden.

Mit Hartmut Koschyk
sprach Werner Kolhoff