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| 08:19 Uhr

Umstrittener Kreuz-Erlass
Kretschmann fühlt sich durch Söder an Vampir-Filme erinnert

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Archiv).
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Archiv). FOTO: dpa, sis gfh bwe
Stuttgart/München. Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann kritisiert Bayerns Kreuz-Erlass und spricht über seine eigene politische Zukunft. Der 69-Jährige erwägt, bei der nächsten Landtagswahl zum dritten Mal als Grünen-Spitzenkandidat anzutreten.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann kritisiert Bayerns Kreuz-Erlass und spottet über Söders Kruzifix-Foto. Außerdem spricht der 69-Jährige über seine eigene politische Zukunft - er wird vielleicht noch einmal antreten.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bringt ein Kreuz im Eingangsbereich der Bayerischen Staatskanzlei an (Archiv).
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bringt ein Kreuz im Eingangsbereich der Bayerischen Staatskanzlei an (Archiv). FOTO: dpa, kne fpt

"Alle wollen, dass ich weitermache", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann der Süddeutschen Zeitung. Wenn er vor der nächsten Landtagswahl gesund sei und das Gefühl habe, seine Kandidatur sei erwünscht, bestünde diese Möglichkeit durchaus. Eine Entscheidung werde er aber erst in einem bis eineinhalb Jahre treffen, sagte Kretschmann, der in Stuttgart eine grün-schwarze Koalition führt. Der Grüne wird kommende Woche 70 Jahre alt. Die Landtagswahl ist für 2021 geplant.

Schon Anfang Januar hatte Kretschmann eine mögliche Kandidatur für eine dritte Amtszeit angedeutet. "Sie müssen damit rechnen, dass ich noch mal antrete", sagte Kretschmann damals. Er betonte zugleich, er wisse heute nicht, wie es ihm in zwei Jahren gehe, was dann mit der Bundespartei sei und wie ihn dann seine Enkel faszinierten.

In der "Süddeutschen Zeitung" reagierte Kretschmann auch auf Spekulationen, der frühere Grünen-Bundeschef Cem Özdemir könne ihn eines Tages beerben. Das sei "durchaus vorstellbar", sagte der Ministerpräsident, fügte aber hinzu: "Es ist nicht leicht für einen Bundespolitiker, in die Landespolitik zu wechseln."

"Wir werden dadurch kein Jota christlicher"

Baden-Württembergs Ministerpräsident äußerte sich in dem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung auch zum Erlass der bayerischen Regierung, wonach demnächst in jeder Behörde in dem Bundesland ein Kreuz hängen soll. Kretschmann bezeichnete den Plan als Ausdruck eines "hilflosen, ja eines heilosen Konservativismus". Bei dem "skurrilen Foto" des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) mit einem Kreuz in der Hand habe er "an Vampir-Filme denken" müssen.

Wörtlich sagte Kretschmann: "Ohne dem Kollegen Söder nahetreten zu wollen: Ich musste an Vampir-Filme denken - als wolle da jemand mit dem fast drohend erhobenen Kruzifix irgendeine Gefahr abwehren. Ich fand das Bild skurril." Hinzu komme, dass aus Söders Anordnung nichts folge. "Wir werden dadurch kein Jota christlicher", sagte Kretschmann, der auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist.

Es sei nun mal so, dass der Glauben in Deutschland langsam verdunste, sagte Kretschmann kurz vor Beginn des Katholikentags in Münster. "Aber ich kann ihn nicht von Staats wegen erzwingen. Das zu versuchen, ist Ausdruck eines hilflosen, ja eines heillosen Konservativismus." Kretschmann ergänzte, der politische Stil und die inhaltliche Ausrichtung von konservativen Unionspolitikern wie Söder oder Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sei "aus der Zeit gefallen" und "rückwärtsgewandt"

(wer)