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| 19:02 Uhr

Der Wähler, das unbekannte Wesen
Das große Zittern in Berlin

Wen werden die Hessen am Sonntag wählen?
Wen werden die Hessen am Sonntag wählen? FOTO: dpa / Arne Dedert
Berlin. Wie die Landtagswahl am kommenden Sonntag in Hessen sich auf den Bund auswirken könnte – fünf Szenarien.

Die Hauptstadt zittert vor Hessen. Denn das Ergebnis der Landtagswahl am kommenden Sonntag wird Auswirkungen auf die Bundespolitik haben. Schon jetzt wird über die Zukunft von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Chefin Andrea Nahles spekuliert. Und was machen die Grünen aus ihrem Höhenflug? Fünf Szenarien, wie sich der Urnengang auswirken könnte.

Die CDU verliert. Und zwar so massiv, dass Merkels Vize und Vertrauter Volker Bouffier nicht mehr Ministerpräsident bleiben kann. Dann könnte ein hessischer Tsunami die CDU im Bund erfassen und es vorbei sein mit der „Besonnenheit“, die die Führung schon vorsorglich einfordert. Spätestens beim Parteitag Anfang Dezember in Hamburg, wenn Merkel erneut als Vorsitzende kandidieren will, dürfte sich der über Jahre aufgestaute Unmut endgültig entladen. Bleibt die Frage, ob sich ein „Königinnenmörder“ finden lässt. Wer sagt Merkel, dass es politisch vorbei ist? Das müsste wohl Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble übernehmen, der Mann mit der größten Autorität in der CDU. Als Nachfolger im Chefsessel wäre NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am ehesten denkbar.

Die CDU rettet sich. Sie erzielt ein Ergebnis, das es Volker Bouffier ermöglicht, weiter Landesvater zu bleiben. Ob mit einer schwarz-grünen Landesregierung, was die größte Stabilität für die Kanzlerin bedeuten würde. Oder aber als Chef  einer Jamaika-Koalition. Hauptsache, Bouffier behält die Macht. Dann wäre Merkel vorerst aus dem Schneider. Auch wenn etwa die konservative „Werte-Union“ auf dem Hamburger Parteitag beantragen will, Vorsitz und Kanzlerschaft zu trennen. Durchaus möglich ist, dass Merkel die kleine innerparteiliche Ruhephase nutzen wird, sich darüber klar zu werden, wie sie ihren Abgang noch eigenständig hinbekommen kann. Vielleicht wäre das Frühjahr vor den Europawahlen ein guter Zeitpunkt, um zu gehen.

Die SPD gewinnt. Reicht es in Hessen trotz der zu erwartenden Verluste für die SPD zu einer rot-grün-roten Landesregierung, wäre das sehnlichst erhoffte Erfolgserlebnis für die Genossen da. Es würde der angezählten Parteichefin Andrea Nahles Rückenwind geben. Selbst, wenn man als Juniorpartner in eine Große Koalition mit der CDU gehen könnte, wäre dies nach dem Debakel von Bayern ein kleiner Erfolg. Wobei man nicht vergessen darf, dass bei vielen Sozialdemokraten die Groko inzwischen ein rotes Tuch ist, ob im Bund oder im Land. Aber Nahles hätte innerparteilich etwas Ruhe. Nichts kann sie derzeit mehr gebrauchen.

Die SPD schmiert ab. Auch das ist möglich. Dann muss SPD-Chefin Andrea Nahles um ihren Job fürchten, weil es ihr nicht gelungen ist, die Partei endlich zu stabilisieren. Im Gegenteil: Mit ihr an der Spitze hat sich der Niedergang beschleunigt. Übernimmt dann die beliebte rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer den Vorsitz? Oder Manuela Schwesig aus MeckPom? Vielleicht sogar der weniger beliebte Finanzminister Olaf Scholz? Der Druck der Groko-Kritiker dürfte überdies so groß sein, dass die Genossen das Bündnis mit der CDU platzen lassen. Nahles will das nicht. Denn Neuwahlen wären wahrscheinlich. Und ob der Wähler die SPD belohnt, muss bezweifelt werden.

Die Grünen gewinnen. Und zwar so viel, dass sie den Ministerpräsidenten stellen können. Hessen wäre das zweite Bundesland nach Baden-Württemberg mit einem grünen Regierungschef. Deutlich selbstbewusster könnte die Partei dann im Bund über den Bundesrat auftreten. Und: Sie würde wieder stärker von den Schwarzen umgarnt werden. Sollte die Groko infolge der Hessenwahl scheitern, muss den Grünen angesichts der Umfragen an Neuwahlen gelegen sein. Und geht der Höhenflug weiter, stellt die Partei dann  einen  Kanzlerkandidaten  auf?