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| 18:36 Uhr

Strukturwandel
„Wie der Fünfjahrplan in der DDR“

 Knut Deutscher (60) ist studierter Ökonom und arbeitet seit 1996 als Hauptgeschäftsführer der HWK Cottbus.
Knut Deutscher (60) ist studierter Ökonom und arbeitet seit 1996 als Hauptgeschäftsführer der HWK Cottbus. FOTO: Till Budde
Cottbus . Der Chef der Handwerkskammer Cottbus warnt vor den Folgen des Kohleausstiegs.

Die Handwerksbetriebe in der Lausitz müssen mit dem Abschlussbericht der Kohle-Kommission umgehen. Viele Handwerker sind auf Aufträge aus der Braunkohle mehr oder weniger angewiesen. Im Interview sagt Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Cottbus, was ihm am Abschlussbericht der Kohle-Kommission missfällt.

Herr Deutscher, was halten Sie vom Kohleausstieg bis 2038 und den Maßnahmen, mit denen die Folgen abgemildert werden sollen?

Deutscher Ich habe ja in der DDR studiert, damals wurde die Wirtschaft staatlich gelenkt. Das geht heute nicht mehr. Aber das Papier der Kohle-Kommission kommt mir vor wie der Fünfjahrplan in der DDR. Allerdings entwickelt sich unsere Wirtschaft anders, als mancher Strukturwandel-Planer das gern hätte.

Was stört Sie konkret?

Deutscher Für die Lausitz wäre es besser, alle hielten sich an das Revierkonzept der Leag. Aus der Braunkohle auszusteigen, das kostet uns viel Geld. Und die Versorgungssicherheit ist nicht gewährleistet. Woher soll denn die Grundlast kommen, wenn Deutschland zugleich aus der Atomkraft und aus der Kohle aussteigt? Da fehlt mir die Fantasie.

Experten sagen, die Entscheidung treibt den Strompreis nach oben.

Deutscher Ja, der Strom dürfte gerade für Handwerker teurer werden. Ähnlich wie private Haushalte gehören unsere Betriebe nämlich größtenteils nicht zu jenen Großunternehmen, deren Stromkosten künftig mit Steuergeld gedeckelt werden.

Was erwarten Sie hier von der Bundesregierung?

Deutscher Wenn der Staat die Energiepolitik so verändert, dann sollte der Staat die Steuern und Abgaben für Strom senken.

Wie gehen Sie mit dem Kommissionsbericht nun um?

Deutscher Es ist wichtig, dass wir wegkommen von dem Blick auf die Schwierigkeiten. Wir sollten die Chancen des Strukturwandels für die Regionen erkennen und das Beste daraus machen.

Was ist Ihre Strategie dabei?

Deutscher Wir brauchen feste Vereinbarungen mit der Politik, die ja jetzt über die Umsetzung des Kohle-Kompromisses entscheidet. Und wir werden uns bei der HWK Cottbus auf unsere Stärken konzentrieren. Die liegen zum Beispiel in der Ausbildung unseres Nachwuchses, in der Beratung zu Unternehmensnachfolgen und in der Weiterbildung von Fachkräften.

Wie sehen das Ihre Mitgliedsbetriebe?

Deutscher Wir bekommen ganz schön Druck von den Betrieben. Sie wollen wissen, wie es weitergeht. Deswegen pflegen wir die Kontakte in die Politik. Allerdings finde ich es merkwürdig, dass sich zum Beispiel bei unserem Neujahrsempfang in Cottbus kein Landtagsabgeordneter der regierenden SPD und Linken in Brandenburg hat sehen lassen.

Wieso wäre Ihnen das wichtig?

Deutscher Es gibt viel zu besprechen. Wir haben zwar den Meisterbonus und die Meistergründungsprämie in Brandenburg, die junge Betriebe unterstützen soll, in dieser Legislaturperiode ausgehandelt. Aber dabei kann es nicht bleiben. Schließlich haben wir bereits 2017 Ideen zum Strukturwandel eingebracht.

Was für Ideen?

Deutscher Zum Beispiel das Projekt „Building Information Modeling“, das es in den Abschlussbericht der Kohle-Kommission geschafft hat. Wir wollen Handwerkern im Baugewerbe helfen, sich zu digitalisieren. Dazu zählt die Nutzung von Software bei Planung und Bauausführung.