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| 12:55 Uhr

Wie andere Länder mit ihren Armeeveteranen umgehen
Zwischen Orden und Obdachlosigkeit

 Russische Weltkriegsveteranen auf dem Roten Platz in Moskau, wo am 9. Mai der Sieg über Nazi-Deutschland  gefeiert wird.
Russische Weltkriegsveteranen auf dem Roten Platz in Moskau, wo am 9. Mai der Sieg über Nazi-Deutschland  gefeiert wird. FOTO: dpa / Sergei Chirikov
Andere Länder, andere Sitten – wie woanders in der Welt ehemalige Soldaten angesehen sind. Von Peter DeThier, Stefan Scholl und Hendrik Bebber

Berlin Andere Länder, andere Sitten. Wie anderswo in der Welt mit ehemaligen Soldaten umgegangen wird – die RUNDSCHAU-Korrespondenten haben nachgefragt.

USA: Wenig Hilfe für Patrioten

Amerikas etwa 21 Millionen Kriegsveteranen werden als Patrioten verehrt, die ihr Leben für die Nation riskieren. Am „Veterans Day“ im November feiern die USA ihre Helden mit Ansprachen, Konzerten und Gedenkveranstaltungen im ganzen Land. Doch trotz des großen Respekts, den Veteranen genießen, fehlt es oft an ganz konkreter Unterstützung durch den Staat. Seit Jahren klagen die Veteranen über unzureichende Krankenversorgung – insbesondere bei der Behandlung  posttraumatischer Belastungsstörungen. Präsident Donald Trump, der sich während des Wahlkampfs den besseren Umgang mit Veteranen an die Fahnen geheftet hatte, tat 2018  einen ersten Schritt. Er unterzeichnete für das zuständige Ministerium einen Haushalt von über 200 Milliarden Dollar, den größten in der Geschichte. Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung für Veteranen auszubauen und  berufliche Fortbildung für sie zu finanzieren und Obdachlosigkeit zu bekämpfen.

Russlands Helden werden knapp Auch in Russland sind Veteranen Heroen. Das gilt natürlich vor allem für die Rotarmisten, die gegen Hitlers Wehrmacht kämpften. Sie wurden in der UdSSR mit Orden und Privilegien überhäuft, das postsowjetische Russland beschenkte sie mit Geld oder Kleinwagen. Allerdings sterben die Weltkriegssoldaten aus, laut Arbeitsministerium lebten 2018 noch 80 400 von ihnen.

Auch Teilnehmer des Afghanistankrieges oder sogenannter lokaler Konflikte von Afrika bis zum Kaukasus sowie Geheimdienstler haben sich in Veteranenverbänden organisiert und kümmern sich um soziale Belange ihrer Mitglieder ebenso wie um die „patriotische Erziehung“ der Jugend. Allerdings kämpfen Russlands Krieger im ostukrainischen Donbass oder in Syrien zusehends als „private Freiwillige“ oder illegale Söldnertruppen; die Überlebenden müssen ohne Zusatzrenten und Helden-Image auskommen.

Vereinslokale in Großbritannien

Fast in jedem Ort gibt es ein Vereinslokal der „British Legion“, das oft genug auch die Dorfkneipe ersetzt. Die Organisation wurde 1921 zur Unterstützung von Veteranen und ihren Familien gegründet. Sie genießt mit der Queen als Schirmherrin hohes Ansehen. Fast alle Briten stecken sich im November den roten Klatschmohn an, der an die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs erinnert. Der höchste Feiertag für die Veteranen ist der 11. November mit der Parade zum zentralen Kriegerdenkmal im Herzen Londons, einem Festgottesdienst und der Gala-Vorstellung der Streitkräfte.

Zahlreiche andere Organisationen sammeln Mittel für die Rehabilitation physisch und psychisch geschädigter Veteranen aus den Kriegen, in denen britische Streitkräfte in jüngster Zeit eingesetzt wurden. Besonders erfolgreich sind die Chöre von Soldatenfrauen und die paralympischen Spiele „Invictus“ für behinderte Veteranen, die Prinz Harry besonders am Herzen liegen.

 Russische Weltkriegsveteranen auf dem Roten Platz in Moskau, wo am 9. Mai der Sieg über Nazi-Deutschland  gefeiert wird.
Russische Weltkriegsveteranen auf dem Roten Platz in Moskau, wo am 9. Mai der Sieg über Nazi-Deutschland  gefeiert wird. FOTO: dpa / Sergei Chirikov